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Willi Kosiul Autor
aus der Bukowina
Meine dritte Reise von 1999 in die ukrainische Nordbukowina
Meine dritte Reise war vom 22. Juli bis 30. Juli 1999 = 9 Tage, nochmals mit dem Reisebus des Reiseunternehmens „Fuchs“ aus Oschersleben in Sachsen-Anhalt, durch Polen in die Ukraine und in die Nordbukowina. Die Abfahrt für mich erfolgte erneut –als Zusteiger- auf der Autobahn Berliner Ring, Autobahn-Parkplatz Michendorf bei Berlin.  Danach ging es wieder, die für mich alte bekannte Fahrstrecke Cottbus – Breslau – Kattowitz – Krakau – Tarnow – Lemberg – nach Czernowitz als unseren Reisezielort und auch so wieder zurück. In Czernowitz waren wir wieder im dortigen größten Hotel „Tscheremosch“ –mit Frühstück und Abendessen- untergebracht Auch diese Reise 1999 erfolgte –wie 1997- mit dem Reisebus des Reiseunternehmens Günther Fuchs aus Oschersleben in Sachsen- Anhalt und auch mit diesen beiden angestellten Busfahrern. Die Vorbereitung meiner 3. Reise in die Nordbukowina Auch während meiner 2. Reise 1997 in die Nordbukowina musste ich feststellen, dass die 4 Tage Zeit des dortigen Aufenthaltes wieder zu kurz war, um alles zu sehen und nochmals zu erleben sowie meine Nachforschungsarbeiten zu betreiben, was schon bei meiner 1. Reise 1996 sowie auch meiner 2. Reise 1997 zu kurz kam. Auch schaffte ich es damals nicht, meine Vorhaben in der Nachforschung zu einigen Fragen meiner Familie sowie zur Geschichte der Bukowina zu verwirklichen. Daher stand bereits damals fest, dort noch einmal hin zu fahren. Im Januar 1999 erhielt ich bereits die Information, dass vom 22. bis zum 30. Juli wieder eine Reisegruppe aus Sachsen-Anhalt mit dem Reiseunternehmen Fuchs aus Oschersleben über Krakau – Lemberg in die Nordbukowina fährt. Danach hatte ich mich –wieder mit meinem altbekannten Landsmann Ambros Wawrik- für diese Reise angemeldet. Da der Reisebus die Route – Autobahn Berliner Ring – Breslau fuhr, konnten wir als Zusteiger, von Neubrandenburg/Mecklenburg zur Autobahn Berliner Ring, Autobahnraststätte Michendorf fahren, um dort morgens um 7.00 Uhr zuzusteigen. Deswegen entschieden wir uns für eine Übernachtung in Michendorf, an der Autobahn Berliner Ring, um am Abfahrtstag nur eine kurze Anfahrtsstrecke von dort aus zu haben. Danach bestellte ich in Michendorf für uns zwei Personen eine Übernachtung, für meinen PKW auf dem Hof des Zimmervermieters eine sichere Parkmöglichkeit und einen PKW mit Fahrer für die Anfahrt zu unserer Zusteigestelle Autobahn-Raststätte Michendorf. Von zu Hause aus bestellte ich mir telefonisch in Krasnoilsk in der Nordbukowina, für bestimmte Tage einen mir schon bekannten privaten Kraftfahrer mit Auto, der mich dort als Privattaxi rum fahren und für mich als Reisebegleiter fungieren sollte Damit war das Problem Kraftfahrer und Reisebegleiter für mich -für die ganzen Tage- in der Nordbukowina langfristig und sicher gelöst. Nun konnte ich getrost sorgenfrei auf Reisen gehen. Diese große Hilfsbereitschaft der Leute in diesem Gebiet –Nordbukowina- ergibt sich aus der allgemeinen Gastfreundlichkeit dieser Menschen, aus ihrer Neigung zur Untertänigkeit auf Grund ihrer Armut und den mageren Lebensverhältnissen sowie aus der Hoffnung, etwas dafür zu bekommen bzw. zu verdienen. Am Mittwoch, dem 21. Juli 1999 fuhren wir, mein bekannter Landsmann und ich, mit meinem PKW am späten Nachmittag von Neubrandenburg zur Autobahn Berliner Ring nach Michendorf und bezogen dort im Ort, wie bestellt, bei Zimmervermietern unser Quartier zur Übernachtung. Wir hatten es dort gut angetroffen, ein zu DDR-Zeiten gebautes Einfamilienhaus. Alles sehr sauber und ordentlich. Unsere Zimmervermieter waren beide Rentner und bewohnten die untere Etage. Die obere Etage als Dachausbau, sehr schön und praktisch eingerichtet, wurde ständig vermietet. Diese Quartiergeber waren sehr höfliche, hilfsbereite und bescheidene Leute. Mein Auto war sicher auf dem eingefriedeten Hof dieser Leute untergebracht. Die Abfahrt aus Deutschland in die ukrainische Nordbukowina Am Donnerstag, dem 22. Juli 1999 brachte uns unser Zimmervermieter aus Michendorf mit seinem PKW um 6.30 Uhr zur Autobahnraststätte Michendorf (Berliner Ring), wo wir in unserem Reisebus zusteigen sollten. Bereits vor 7.00 Uhr standen schon einige unserer Mitreisenden aus dem Raum Berlin und Potsdam, die dort auf dem Parkplatz Michendorf, als eine wartende Menschentraube mit viel Gepäck zu sehen waren. Mein Bekannter und ich gesellten uns zu den schon Wartenden dazu und schon waren wir im Strudel des Gesprächs der ehemaligen alten Buchenlanddeutschen. Um 7.15 Uhr kam unser Reisebus „Fuchs“ aus Oschersleben und nahm hier die allerletzten Zusteiger auf. Die vielen Koffer und Reisetaschen wurden im Bus verpackt, wir besetzten unsere vorgegebenen Sitzplätze und gegen 7.45 Uhr ging es ab, auf der Autobahn in Richtung Cottbus. Das Reisewetter war für uns ausgezeichnet, locker bewölkt, zeitweise Sonnenschein und in diesem Reisebus mit Klimaanlage war das Reisen sehr angenehm. Der Reisebus war mit 46 Personen voll belegt und unser Reiseleiter war ein Buchenlanddeutscher Herr Zahn aus Hornhausen bei Oschersleben, der sich um alles gut gekümmert hatte. Bereits 9.40 Uhr waren wir an der deutsch-polnischen Grenze. Nach relativ kurzer Wartezeit stieg ein polnischer Grenzkontrolleur in unseren Bus ein, ging den Bus durch, wir hielten unsere Reisepässe geöffnet in der Hand, er schaute sie von weitem beim Durchgehen nur kurz an und in 5 Minuten war die Passkontrolle beendet. Um 10.10 Uhr verließen wir die polnische Grenze in der Weiterfahrt über Breslau – Oppeln - Gleiwitz, Beuthen und Kattowitz. Ab Kattowitz bis Krakau hatten wir eine gute neue Autobahn. Um 19.30 Uhr kamen wir in Tarnow an, wo unsere Zwischenübernachtung gebucht war. Dieses Hotel „Tarnow“ war ein großes und sauberes Hotel, alles gut organisiert, gut eingerichtete und ausgestattete Zimmer, so dass wir da mit allem zufrieden waren. Um 20.00 Uhr gab es dort ein sehr gutes und reichliches Abendessen und damit war der 1. Reisetag abgeschlossen. Am 1. Reisetag, also Donnerstag, dem 22. Juli 1999, hatte unser Reisebus von Oschersleben in Sachsen-Anhalt bis Tarnow in Polen 935 km Fahrstrecke zurückgelegt. Am 2. Reisetag, also Freitag, dem 23. Juli 1999 standen uns von Tarnow in Polen bis nach Czernowitz in der Nordbukowina noch 584 km bevor. Am Freitag, dem 23. Juli 1999 –unserem 2. Reisetag- war für unsere Reisegruppe um 5.00 Uhr allgemeines Wecken per Telefon durch die Rezeption des Hotels. Im 6.00 Uhr gab es ein reichliches und gutes Frühstück und gegen 07,00 Uhr war Abfahrt von Tarnow zur polnisch-ukrainischen Grenze. Von Tarnow bis zur Grenze waren es 185 km. Um 10.15 Uhr passierten wir die letzte Stadt in Polen „Przemysl“, die etwa 300.000 Einwohner hatte und kurz vor der Grenze liegt. Bereits 10 Minuten später waren wir an der Grenze angekommen. Um 10.45 Uhr erfolgte die polnische Grenzkontrolle, wieder  in unserem Reisebus. Ein polnischer Grenzkontrolleur durchschritt unseren Reisebus, wir die Reisepässe geöffnet in der Hand, er eine entfernte Sichtkontrolle, so dass in ca. 5 Minuten die Passkontrolle beendet und wir abgefertigt waren. Dann fuhren wir ins „Niemandsland“, wo bereits lange Warteschlangen vor uns in Richtung ukrainische Grenze standen. Es ist ein sehr großer Grenzübergang mit 5 Fahrspuren als Warteschleifen und auch immer mit einer sehr großen Wartezeit. Das Wetter war für uns günstig, bewölkt, trocken und an diesem Vormittag 20 ° C. Die 5 Fahrspuren mündeten dann in 3 Durchfahrtsspuren mit der Grenzkontrolle, die nur sehr langsam und „stotternd“ voran ging. Da wir schon solche ukrainischen Grenzkontrollen wiederholt erlebt hatten, war es für uns nichts Neues, geduldig und lange zu warten, bis die Kontrolleure sich bemühten uns zu kontrollieren. Dann musste unsere gesamte Reisegruppe, ohne Gepäck, aus dem Reisebus aussteigen, in eine große Halle gehen und wurden dort durch eine „Fußgängerschleuse“ durchgelassen. Vor dieser Fußgängerschleuse musste sich unsere Reisegruppe in Reihe anstellen, alles laut unserer Reiseliste geordnet und dann begann erst langsam aber sicher die Kontrolle. Dabei wurde sehr oft unsere Visaliste in verschiedenen Fragen beanstandet, die weitere Kontrolle gestoppt und nach Vorgesetzte telefoniert, die aber auch nicht gleich zur Stelle waren. Dann hatte ein Vorgesetzter den anderen, nächst höheren Vorgesetzten angerufen und gar heran geholt, um die Beanstandungen zu beurteilen und dann zu entscheiden. So zog sich diese Kontrolle über 2 Stunden hin, bis alle unsere Mitreisenden durch diese Kontrollschleuse durch waren. In unserer Reisegruppe war eine mitreisende Russischlehrerin, die als Dolmetscherin für uns fungierte und dabei auch sehr viel zu dolmetschen und sprachlich zu klären hatte. Doch die ukrainischen Grenzkontrolleure waren von der russischen Sprache nicht recht begeistert und haben angeblich mehrere Wörter nicht verstanden, trotzdem sie unter der „Sowjetunion“ in der Schule alle Russischunterricht hatten. Die Bereitschaft und der Wille dieser ukrainischen Grenzkontrolleure waren merklich nicht da, die Dinge zu klären und uns zu helfen, damit wir weiterfahren konnten. Es war mehr ihre Absicht uns dort recht lange aufzuhalten, uns „gefügig“ zu machen, damit wir für die Kontrolleure etwas Geld heraus rückten. Trotzdem unsere Durchschleusung beendet war, durften wir noch nicht weiter fahren. Unser Reisebus wurde aus der Durchfahrtsspur auf einen Seitenplatz abgestellt und dort mussten wir warten, bis angeblich mit der ukrainischen Botschaft noch einiges geklärt werden sollte. Diese Kontrolleure fanden auf unserer Visaliste angeblich zwei „Beanstandungen“. Diese Visaliste wurde von der ukrainischen Botschaft damals in Bonn so erstellt und unserem Reiseleiter auch so übergeben. Nun wollten die ukrainischen Grenzkontrolleure, angeblich mit ihrem ukrainischen Außenministerium in Kiew erst klären und erst dann sollte für uns eine Weiterfahrt möglich sein. Da nun aber das ukrainische Außenministerium bis 15.00 Uhr Mittagspause hatte und dort angeblich niemand zu erreichen war, sollte unser Reiseleiter sich nach 15.00 Uhr bei diesem verantwortlichen Grenzkontrolleur melden. Wir saßen alle in unserem Reisebus, der am Rande des Kontrollbereichs immer noch warten musste. Als wir uns alle noch in der Durchgangsschleuse befanden, machten sich einige Grenzkontrolleure, ohne unsere Busfahrer, an die Kontrolle unseres Gepäckes im Reisebus. Doch da der Reisebus verschlossen war, kamen sie nicht in den Bus hinein und mussten erst die Busfahrer holen, die sich noch in der Personen-Kontrollschlange befanden. Die Busfahrer sollten den Reisebus aufschließen und draußen warten. Die Kontrolleure wollten ihre Kontrolle alleine durchführen, womit die Busfahrer nicht einverstanden waren und zur Kontrolle mit in den Bus hinein gingen. Das hat den Kontrolleuren gar nicht gepasst und sie sogar etwas verstimmt. Darauf hin verlangten sie von unseren beiden Fahrern das gesamte Gepäck aus den Stauräumen des Busses heraus zu nehmen, damit sie kontrollieren konnten. Da es gerade geregnet hatte und unsere Dolmetscherin sehr darum gebeten hatte, davon Abstand zu nehmen, weil ja in diesem Regen beim Ausladen alles unsere Gepäckstücke nass werde, hatten diese Kontrolleure dann doch noch Einsicht gezeigt und vom Ausladen unserer Koffer aus dem Bus sowie der Kontrolle unserer Stauräume und des  Gepäcks Abstand genommen. Um 15.00 Uhr ging nun unser Reiseleiter zu dem Verantwortlichen unserer Visakontrolle, der mit dem ukrainischen Außenministerium wegen der „Beanstandungen“ sprechen wollte, um die Erlaubnis zur Weiterfahrt zu erhalten. Doch der Ukrainer winkte bereits von weitem unfreundlich ab und sagte unserem Reiseleiter, es sei noch nicht geklärt. Er soll etwas später wieder kommen. Als unser Reiseleiter etwas später nochmals zu diesem Verantwortlichen hin ging, da deutete er nur unfreundlich mit der Hand, „weiterfahren“. So und dadurch, hatten wir erst nach unserer Uhrzeit um 15.30 Uhr –nach über 4 ½ Stunden- die ukrainische Grenze passiert. Nach ukrainischer Uhrzeit war das bereits schon 16.30 Uhr. In unserer Reisegruppe bestand dazu die Auffassung, dass das nur eine Schikane war, uns gefügig zu machen, damit wir etwas „Schmiergeld“ bezahlen sollten und dann wäre alles schneller in Ordnung gewesen. Dieser Verantwortliche hat nach unserer Auffassung auch gar nicht die Absicht gehabt, mit dem ukrainischen Außenministerium in Kiew zu sprechen, sondern nur die Zeit hinaus gezögert, um etwas von uns zu erpressen. Doch da von unserem Reiseleiter kein solches Geldangebot kam, ließ er uns, nach dieser langen Wartezeit, dann doch fahren. Von der ukrainischen Grenze bis Lemberg (Lwow), ehemals die Hauptstadt Galiziens, ist es 40 km und bis Czernowitz etwa 450 km. Genau weiß man es nicht, weil in dieser Gegend weder Ortsschilder noch Hinweisschilder über die Richtung und Entfernung gibt. Von der polnisch-ukrainischen Grenze bis nach Czernowitz war die Straße sehr schlecht, so dass wir nur langsam und sehr vorsichtig fahren konnten, um auch dort heil anzukommen. Deswegen waren wir an diesem Freitag erst gegen 23.30 Uhr in Czernowitz, im Hotel Tscheremosch angekommen. Da die Hotelküche bereits um 22.00 Uhr ihre Arbeit beendet hatte, gab es danach für uns auch kein Abendessen mehr, trotzdem es bestellt war. Wir gingen dann deshalb ohne Abendessen zu Bett. Hier in der ehemaligen Landeshauptstadt der Bukowina, der heutigen Gebietshauptstadt der ukrainischen Nordbukowina waren wir wieder im Hotel „Tscheremosch“ untergebracht. Es ist das größte, modernste und attraktivste Hotel von Czernowitz, mit 11 Etagen. Es wurde 1985/1986 erbaut und nach dem Grenzfluss zur Slowakei „Tscheremosch“ benannt. Seit dieser Zeit wurde, am Hotelgebäude und auch an den Einrichtungen nichts gemacht, weder renoviert noch modernisiert. Die Hotelzimmer sind verwohnt und abgewirtschaftet, das Inventar abgenutzt oder beschädigt. Die Schiebe-Kleiderschranktüren klemmen und lassen sich nur schwer oder gar nicht öffnen bzw. sie fallen einem bei der Bewegung entgegen. Warmes Wasser aus der Leitung gibt es nur selten, oft nur stundenweise zu bestimmten Zeiten. So könnte man laufend Mängel aufzählen, die in so einem internationalen Hotel nicht sein dürften. Der Trend scheint dort zu sein, viel Geld mit diesem Hotel zu verdienen, Geld raus zu holen, was da raus zu holen geht, aber nichts zu deren Verbesserung zu investieren. Das war bereits im Jahre 1996 so, auch 1997 und ist auch 1999 immer noch so. Unser Aufenthalt in der ukrainischen Nordbukowina Am Samstag, dem 24. Juli 1999, war unser 1. Aufenthaltstag in der Nordbukowina. Samstag gab es wie jeden Tag, um 8.00 Uhr ein gutes und reichhaltiges Frühstück. Danach war um 9.00 Uhr Abfahrt mit dem Reisebus nach Althütte, über Storozynetz (ehemals unsere Kreisstadt), über Czudyn (mein Geburtsort), Neuhütte und Krasna nach Althütte. Die Ortschaft Althütte war an allen unseren Reisetagen, für unseren Reisebus immer die Endstation gewesen. Danach führt weiter keine befestigte Straße und es ist auch der letzte Ort vor dem Gebirge. Hier ist die Straße zu Ende. Ab da geht es nur noch per Pferdefuhrwerk oder zu Fuß ins Gebirge, in die Waldkarpaten hinein. In Althütte bleibt der Reisebus mit Busfahrer den ganzen Tag stehen und fuhr erst dann gegen Abend wieder nach Czernowitz ins Hotel zurück. Die Fahrstrecke von Czernowitz bis Althütte ist etwa 46 km, die Straße jedoch sehr schlecht und die Reisebusfahrtzeit daher über einer Stunde. Da wir in Storozynetz und Neuhütte kurze Aufenthalte hatten, kamen wir an diesem Samstag erst um 11.00 Uhr in Althütte an. Als wir in Althütte ankamen, da wartete schon mein –von zu Hause aus- bestellter Kraftfahrer und Reisebegleiter dort mit seinem PKW auf mich. Mein erster Kraftfahrer und Reisebegleiter von 1996 war in diesem Jahr 1999 nicht mehr Schuldirektor in Althütte. Er hat diesen Posten aufgegeben, weil er da wenig verdient hatte und auch monatelang auf sein verdientes Monatsgehalt warten musste. Danach hatte er an seinem Wohnort in Czudyn als Lehrer an der dortigen Sonderschule für körperbehinderte Kinder unterrichtet. Da in dieser Tätigkeit als Lehrer an seinem Wohnort, hat er mehr Freizeit um einige seiner privaten Angelegenheiten besser nachgehen zu können. Da der ukrainische Staat nicht genug Geld hat seine Angestellten zu besolden, bietet der Staat schon seit Jahren für die Hälfte des Gehaltes, seinen Angestellten -als Ausgleich- verschiedene Naturalien seiner Landesprodukte an, so z.B. Zucker, Mehl, Grieß, Wodka, Sekt usw. Dieser Lehrer nimmt überwiegend Wodka sowie Sekt an und verkauft diesen dort den deutschen Touristen (wie unsere Reisegruppe), auch an seine Landsleute und nimmt auch einiges mit dem Auto nach Deutschland, wo er es umsetzt. Auf diesem Wege versucht der Lehrer zu seinem Geld zu kommen und wenn er dabei guten Absatz hat, dann macht er noch ein Plus dabei. Das alles zusammen genommen, der Alkoholhandel unter der Hand und die Schwarzarbeit in Deutschland bringen ihm mehr ein, als sein ehemaliges Gehalt als Schuldirektors von Althütte, welches er oft erst nach Monaten nachbezahlt bekam. Zur Zeit meines Besuches war dieser deutsch sprechender ukrainische Lehrer nicht zu Hause, sondern mit seinen beiden Kindern in Deutschland auf Arbeit. Wenn er in Deutschland Arbeit in Aussicht hat, dann nimmt er von seiner Schule unbezahlte Freistellung und fährt nach Deutschland arbeiten. Seine Schule ist froh, dass er nicht da ist und sie ihm nicht bezahlen brauchen. Die Kinder seiner Klasse werden in diesen Fällen auf andere Klassen aufgeteilt oder durch Hilfskräfte betreut und unterrichtet. In diesem Jahr –1999- arbeitete dieser deutsch sprechende Lehrer als Gastarbeiter illegal bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt als Lagerarbeiter. Seine deutschsprachigen Kenntnisse kommen ihm hierbei zu Gute. Sein 17-jähriger Sohn arbeitet dort bei einem Bauern und seine 19-jährige Tochter in einem Haushalt, im südwestdeutschen Raum. So pendelt der ukrainische Lehrer mit seinen beiden Kindern zwischen der Ukraine und Deutschland und wenn sie hier keine Gelegenheitsarbeit haben, dann fahren sie einzeln oder gemeinsam wieder nach Hause. Für das verdiente Geld wird hier in Deutschland ein gebrauchtes Auto gekauft, damit nach Hause gefahren und es dort in der Ukraine gleich wieder verkauft. Dieser Werdegang wiederholt sich immer wieder und dadurch vervielfältigt er seinen hier in Deutschland erworbenen Verdienst. So schlagen sich viele Ukrainer, die die Möglichkeit und Fähigkeit haben, in Deutschland oder Italien zu arbeiten, so recht und schlecht durchs Leben. Mein zweiter Kraftfahrer und Reisebegleiter von 1997 arbeitet schon mehrere Monate mit seiner Ehefrau in Italien auf Aufenthaltserlaubnis. Er ist Lehrer von Beruf und arbeitet dort als Elektrikergehilfe bei der Bahn. Seine Ehefrau ist auch dort in Italien bei einer Firma beschäftigt. Sie ist vom Beruf Zahntechnikerin und arbeitet dort als Pkw-Fahrerin. Beide sind schon seit vielen Jahren hier i der Ukraine arbeitslos, haben hier zu Hause in Krasnoilsk zwei Kinder zu versorgen und ein Haus im Neubau, welches noch lange nicht fertig ist. Sollten sie im Frühjahr 2000 die Aufenthaltserlaubnis in Italien verlängert bekommen, dann arbeiten sie dort weiter, um Geld zu verdienen und den Bau des Hauses zu vollenden. Eine gut bekannte Familie kümmert sich zu Hause um das Haus, versorgt und betreut die Kinder (Mädchen 12 und Junge 9 Jahre), die ja noch zur Schule gehen. So ist dort für Eltern und Kinder, aus der Not heraus, ein sorgenvolles und schweres Leben. Diesen Nachmittag hatte ich dort mit Gesprächen über verschieden Themen und Informationen verbracht und das Reiseprogramm für die nächsten Tage durchgesprochen. Zu 17.00 Uhr hatte mich mein Reisebegleiter mit seinem PKW nach Althütte zur Haltestelle unseres Reisebusses gebracht und danach ging es ab nach Czernowitz ins Hotel.  Im Hotel gab es jeden Abend um 20.00 Uhr ein reichhaltiges, gutes und schmackhaftes Abendessen, bestehend aus Nationalgerichten sowie auch deutschen Speisen, dazu Wodka und Sekt oder auch alkoholfreie Getränke. Dabei Unterhaltungsmusik durch die dort ständigen vier Hotelmusiker, die nationale sowie auch deutsche Musik -uns Touristen angepasst- vortrugen. So klang jeder Abend mit einem ausgedehnten Abendessen, Getränke, Musik und angeregten Unterhaltungen aus. An diesem Abend hatte ich noch meine rumänische Verwandte Eugenia, die Tochter meines 1989 in Vama, Kreis Suczawa / Rumänien, verstorbenen Bruders Adolf, mit ihrer erwachsenen Tochter Evelyn im Hotel empfangen. Sie kamen, von mir nach Czernowitz eingeladen, wie von zu Hause vereinbart, dort zu mir mit einem Linien-Omnibus aus Rumänien zu Besuch. Gemeinsam haben wir in meinem Hotelzimmer uns sehr lange über unsere Familie unterhalten und das gemeinsame Programm für den Sonntag besprochen Gegen Mitternacht habe ich die beiden Frauen mit einem Czernowitzer Taxi in ihre Unterkunft bringen lassen und habe damit den ersten arbeitsreichen Tag beendet. Wir besuchten und besichtigten gemeinsam meinen Geburtsort Czudyn Am Sonntag, dem 25. Juli 1999 war unser 2. Aufenthaltstag in der Nordbukowina. Um 9.00 Uhr ging unser Reisebus wieder aus Czernowitz über Storozynetz und Czudyn nach Althütte. Ich hatte dazu meinen Besuch aus Vama, Kreis Suceava / Rumänien, -nach Absprache mit unserem Reiseleiter-, zur Busfahrt nach Althütte und Czudyn eingeladen und auch mitgenommen. Da ich für Sonntag die Besichtigung von Czudyn im Programm hatte, sind wir unterwegs bereits vor Althütte, an der Kreuzung in Czudyn, aus dem Reisebus ausgestiegen. Mein –schon von zu Hause aus bestellter- Kraftfahrer und Reisebegleiter stand mit seinem Auto bereits, wie verabredet in Czudyn an der Straßenkreuzung und dort hatte schon auf uns gewartet. Wir, die beiden verwandten Frauen und ich, verließen hier in Czudyn den Reisebus und fuhren mit dem PKW –nach unseren Interessen- weiter. Zunächst begannen die Rundfahrt und die Besichtigung des Ortes Czudyn. Ich hatte diese Ortsrundfahrt und die dortige Besichtigung aller für mich wichtigen Stellen, bereits schon zum dritten Mal gesehen. So konnte ich mich jetzt auf ganz bestimmte Stellen und Objekte besonders konzentrieren, um noch einige spezifische Details in Augenschein zu nehmen oder zu erfragen. So hatte Eugenia, die Tochter meines Bruders, durch mich 1997 und jetzt 1999 zum zweiten Mal den Geburts- und damaligen Wohnort ihrer Eltern und Großeltern zu sehen bekommen. Ihre erwachsene Tochter Evelyn war 1999 zum ersten Mal in Czudyn. Vorher kannte sie das alles nur vom erzählen. Jetzt war sie selber vor Ort und konnten alles persönlich besichtigen und dazu die Erläuterungen von mir und den dortigen Bewohnern zur Kenntnis nehmen. Ihre Tochter Evelyn war nun das erste Mal auf dem ehemaligen Boden ihrer Groß- und Urgroßeltern und erfuhr dabei vieles über die Geschichte unserer Familie. Die Rundfahrt in Czudyn, ehemals bis 1940 einem Marktort mit damals etwa über 4500 Einwohnern, war für uns allen interessant und informativ. Dabei besuchte ich auch den alten rumänischen Schwiegervater des deutsch sprechenden Lehrers Kljuch in Czudyn. Der Lehrer war zu dieser Zeit wieder mit seinen beiden Kindern in Deutschland auf Gelegenheitsarbeit. Dieser rumänisch sprechende alte Schwiegervater des Lehrers war bis 1918 unter der österreichischen Monarchie bereits als Soldat im Ersten Weltkrieg und lebte schon immer in Czudyn. Als alter lebenserfahrener Mann, aus drei alten Herrschaftsverhältnissen unter denen er lebte (Österreich, Rumänien und Sowjetunion) konnte mir vieles erzählen und manche meiner Fragen auch gut beantworten. Da der Ort „Serecell“ im Kirchenbuch von Althütte bei einigen meiner Vorfahren, als Geburtsort sowie auch als Wohnort vermerkt ist, hatte ich zielgerichtet den Ort und Fluss „Serecell“ gesucht, wo meine Groß- und Urgroßeltern väterlicherseits auch gelebt hatten und einige davon auch dort verstorben sind. Das alles war für mich etwas unklar, denn ich fand diesen Ort Serecell auf keiner alten Karte. Doch dieser alte Herr, hatte mir das alles erklärt und erläutert. Dieser alte Herr führte mich auch in seinen großen Garten und zeigte mir, am Ende seines Gartens den Fluss Czudyn. Damals im Juli hatte dieser Fluss einen sehr geringen Wasserstand und daher konnte man jetzt auch Bach dazu sagen. Doch im Frühjahr bei der Schneeschmelze oder wenn es viel und stark regnet und das Regenwasser aus den Bergen über Neuhütte hier ankommt, dann wird aus diesem Bach ein reißender Fluss. Dieser kleine Fluss Czudyn entspringt südwestlich von Neuhütte auf einer Anhöhe von 749 m. Er fließt südlich an Neuhütte vorbei, dann südlich entlang der Straße Neuhütte - Czudyn direkt an meinem ehemaligen Wohnort Kornischor vorbei und in den Ort Czudyn hinein. Dann südlich durch den Ort Czudyn durch. Hier unterquert er die Straße von Czudyn nach Krasna und fließt in den Fluss Serecell hinein, der in Richtung Nordosten fließt. Der Fluss Serecell –den ich suchte- entspringt südwestlich von Krasna bzw. nordwestlich von Oberwikow auf einer Anhöhe von 1.141 m. Er fließt in Richtung Norden, dann in östlicher Richtung direkt südlich an Krasna Putna vorbei, somit zwischen Krasna Putna und Krasna Ilksi durch und verläuft danach östlich der Straße von Krasna nach Czudyn. Hier in Czudyn schwenkt er nach Osten und mündet bei Petrowitz dann in den Kleinen Sereth, der dann ab Sereth, auch -Großer Sereth-  genannt wurde. Hinter dem Durchfluss zwischen beiden Orten von Krasna, in Richtung Czudyn hat der Fluss Serecell noch einen kleinen Flussarm, ebenfalls Serecell genannt, der genau nach Süden in Richtung Karlsberg führt und bei dem Ort Slatina entspringt. Südlich der Einmündung dieses Flussarmes in den Hauptfluss Serecell, lang auch einst dieser Ort „Serecell“, der später eingegangen war, wo mein Vater geboren wurde. Diesen Ort Serecell gibt es heute nicht mehr, jedoch der Fluss Serecell ist immer noch vorhanden. So zeigte mir der alte Herr am Ende seines Gartens das, was ich dort in der Gegend bereits lange gesucht hatte und erklärt mir alles. Somit brauchte ich den Ort Serecell heute nicht mehr suchen, weil er ja nicht existierte, wie damals etwa um 1850-1900, weil er mit der Zeit verfallen ist, der Rest in den Ort Krasna eingebaut und eingeschlossen wurde. Der Ort „Lunka Frumoasa“, der im Kirchenbuch von Althütte oft als Geburtsort erscheint, bestand vor vielen Jahren, bis etwa 1916 im Gebirge, aus einer kleinen Wohnsiedlung der Glashütte, die zu Krasna Ilski gehörte. Diese kleine Wohnsiedlung „Lunka Frumoasa“ war am Aufgang zum Gebirge, in etwa 800 m Höhe, nur eine kleine Häusergruppe, die mit der dortigen Glashütte um 1916 teilweise abgebrannt und danach völlig verfallen ist. Heute ist dort davon nichts mehr vorhanden. Heute ist dort von Frühjahr bis in den späten Herbst hinein eine Schafhirten- und Schafsherdestelle, wo nicht nur Schafe gehalten werden, sondern auch vor Ort den ganzen Sommer die Schafe gemolken und in einer großen Hütte Schafkäse in verschiedenen Sorten hergestellt wird. Nicht nur die großen Schafherden, sondern auch die Schafhirte leben mit ihren Familien und Haustieren diese ganze Zeit –vom Frühjahr bis Herbst- dort oben in den Bergen. Erst im späten Herbst kehren sie in die Niederung in ihr Dorf zurück, um dort zu überwintern. Dieser Auf- und Abstieg wiederholt sich jedes Jahr. Zur Ermordung der 634 Juden am 05. Juli 1941 in Czudyn durch das rumänische Militär, ergänzte der alte Schwiegervater des Lehrers noch auf meine zielgerichteten Fragen folgendes: Czudyn war für die damaligen dortigen Verhältnisse eine größere Gemeinde und auch ein anerkannter Marktort = Handelsplatz. Das zog um 1900 viele Juden an, sich dort anzusiedeln. Da gab es befestige Schotterstraßen als Verbindungen nach Storozynetz, nach Czernowitz, Radautz und Suczawa. Auch die einzige Bahnverbindung in dieser Gegend aus Richtung Nordosten, endete in Czudyn. Deswegen waren in Czudyn bis 1941 auch sehr viele Juden ansässig, etwa 500 Personen. Bereits Ende Juni 1940 wurden, vor dem Einmarsch der Sowjetarmee, fünf namhafte Juden in Czudyn, zum Teil mit ihren Familien, im Zentrum des Ortes, durch sich zurück ziehende rumänische Soldaten erschossen. Nach dem Abzug der Sowjetarmee und der Wiederbesetzung der Nordbukowina 1941 durch das rumänische Militär, wurden am 05. Juli 1941 alle Juden aus Czudyn, Krasna und Banilla schlagartig an einem Tag durch das rumänische Militär ins Gerichtsgebäude in Czudyn zusammen getrieben und dort restlos durch Genickschuss, im Gerichtsgebäude von Czudyn erschossen. Es blieb kein Jude in unserer Gegend am Leben. Dieses Massaker am 5. Juli 1941 in Czudyn dauerte den ganzen Tag an. Das Schießen war weit hin zu hören und in der Umgebung wurde es auch sofort bekannt. Es gab dazu auch Augenzeugen, die es von weitem gesehen und noch mehr gehört hatten. Doch gab es dazu aus der rumänischen Bevölkerung dagegen keinen Protest. Viele wollten damit nichts zu tun haben und so mancher war dabei noch „schadenfroh“, aus vielerlei Gründen, dass es endlich den Juden einmal an den „Kragen“ ging und mit ihnen gnadenlos abgerechnet wurde. Nach diesen vielen erhaltenen Informationen von diesem alten rumänischen Zeitzeugen über die verflossene Zeit, war es für mich an diesem Tage höchste Zeit, die Reise fortzusetzen. So fuhren wir in der Runde weiter, zunächst zum Gerichtsgebäude und dem dort vorhandenen Denkmal für die ermordeten Juden von 1941 und dann zum Czudyner Bahnhof, wo wir Deutschen im Oktober 1940 nach Deutschland abgefahren sind. Der Sack-Bahnhof in Czudyn steht heute noch da, verkommen und verlassen. Einmal täglich fährt morgens ein Personenzug in Richtung Nordosten nach Hliboka sowie Storozynetz und abends wieder zurück. Der Personenverkehr ist dort nur sehr gering weil die Leute kaum Geld für die Fahrkarte, geschweige noch Geld zum einzukaufen haben. Sie leben überwiegend aus ihrer Hauswirtschaft und was sie noch zum Leben brauchen, kaufen sie meist in ihrer näheren Umgebung ein. Nachdem wir den uralten Bahnhof besichtigt hatten, fuhren wir über die Straßenkreuzung am Markt in Richtung Neuhütte, in den Ortsteil Kornischor, wo wir gewohnt sowie gelebt hatten und wo wir Kinder zur Schule gingen. Dieser Ortsteil zieht sich an beiden Seiten der Straße nach Neuhütte und nördlich des Flusses Czudyn, ca. 3 km entlang. Hier besichtigten wir (ich schon zum 3. Mal) unsere alte Schule. Da es Sonntag und die Schule verschlossen war, war nur eine Außenbesichtigung möglich. Die Außenbesichtigung war für mich auch ausreichend, denn eine Innenbesichtigung hatte ich bereits im Jahre 1997 -im Beisein dortiger Lehrer im Unterrichtsprozess- absolviert, der auch nicht gerade erfreulich war. Die ramponierten Innenwände sowie die Inneneinrichtung dieser Schule und dazu noch die armen Kinder in dieser Schule stimmten einem nur traurig. So ist auch die Außenfassade und so sind auch die Außenanlagen dieser Schule. Alles in einem sehr trostlosen und traurigen Zustand, auch in diesem Jahr 1999. Bis 1940, als wir noch unter rumänischer Herrschaft dort zur Schule gingen, war alles ordentlich und sauber und somit gar nicht mit heute zu vergleichen. Als wir das Elend, die Armut und auch die Unordnung an meiner ehemaligen Volksschule gesehen hatten, ich zum wiederholten Mal, da hatte es mir gereicht. Hier hatte ich von 1937 bis 1940, als Deutscher diese rumänische Schule besucht, ohne auf diesem Gelände und in der Schule nur ein Wort deutsch sprechen zu dürfen. Doch in der rumänischen Herrschaftszeit bis 1940, sah dort in und an der Schule alles sauber und ordentlich aus. Heute kümmert sich niemand darum. Die dortigen Lehrer sagten mir, zu meinen kritischen Bemerkungen, dass dieser ukrainische Staat nicht einmal genügend Geld hat, die Lehrer zu besolden. Für das Schulobjekt ist noch weniger Geld da. Deswegen ist bei den Lehrern ein allgemeines Desinteresse vorherrschend und so leben auch die Lehrer recht und schlecht hoffnungslos in den Tag hinein. Mit diesem Eindruck hatten wir dann diese meine ehemalige Volksschule verlassen. Dann sind wir auf unseren Berg gefahren, wo wir einst bis 1940 gewohnt hatten, soweit es mit dem Auto ging. Die Reststrecke mussten wir dann zu Fuß bewältigen. Es gab da weiter keinen Weg und das dortige Gelände war auch für Pkw- Fahrten ungeeignet, auch bei aller Trockenheit. Zu sowjetischer Herrschaftszeit war hier ein großes Panzerübungsgelände. Das Gelände ist auch heute noch von Infanteriegräben, Panzerdeckungen und tiefen Panzerketten-Fahrspuren gekennzeichnet. Diese „Kraterlandschaft“ ist auch heute noch Militärgelände der ukrainischen Armee, wird aber gar nicht benutzt. Unser dortiger großer Berg, war bereits im Ersten Weltkrieg -im Kampf zwischen Österreich und Russland- ein militärisch strategisches wichtiges Gebiet, da man von hier aus nach Süden über die davor liegende Ebene bis nach Althütte sowie Neuhütte und in die Berge hinein schauen konnte. Dort waren damals beiderseits Artilleriestellungen eingerichtet und die Artillerie hatte sich damals gegenseitig beschlossen. Hier auf diesem großen Berg, wo auch wir wohnhaft waren, hatten bis 1940 nur Deutsche gewohnt und gelebt. Diese Anhöhe hatte eine gute landwirtschaftliche Nutzfläche, mit dem Hang nach Süden günstig für die Sonneneinstrahlung gelegen und eine herrliche Aussicht bis Krasna, Althütte und Neuhütte sowie den Blick aufs Gebirge der Karpaten. Diese Ansiedlung lag direkt an der großen Hutweide (Gemeindeweide für das Hüten der Rinder und Pferde) und lag auch dicht am Wald, günstig für das Heranschaffen von Holz als Brenn- und Baumaterial. Da auf diesem Berg das gesamte Land Eigentum der Deutschen war, konnte sich bis 1940 dort auch kein Fremder ansiedeln. Die freien Bauparzellen und der Acker wurden nur an Deutschböhmen verkauft. Als im Oktober 1940 die Deutschen nach Deutschland umsiedelten wurden, blieb auf diesem Berg nur mein Vater und mein Bruder mit seiner Familie zurück. Mein Vater hatte sich Mitte der 30er Jahre von meiner Mutter getrennt und mein Bruder hatte eine rumänische Frau in der orthodoxen Kirche geheiratet, die auch ihre Kinder in diesem Sinne erzog und als Rumänen gezählt wurden. Alle anderen deutschen Familien waren 1940 nach Deutschland ausgewandert, also von hier weggezogen, so dass auf diesem Berg nur mein Vater und mein Bruder Adolf zurück geblieben waren und dort gewohnt hatten. Dadurch hatte sich im Ortsteil Kornischor, bei den dortigen Bewohnern dieser Umgebung, für diesen unseren Berg, mit der Zeit der Begriff „Kosiulsberg“ eingebürgert. Mein Bruder Adolf war ab 1942 beim rumänischen Militär in Konstanza beim Küstenschutz. Als die Ostfront sich der Bukowina und damit auch unserer dortigen Gegend näherte, bekam mein Bruder Adolf vom rumänischen Militär, aus Konstanza Sonderurlaub, um seine Familie nach Zentral-Rumänien zu evakuieren. Er fuhr von Konstanza nach Czudyn und als im März 1944 die Ostfront näher kam, ist er mit seiner Familie nach West-Rumänien, in den Raum Arad geflüchtet. Mein Vater wollte nicht flüchten und verblieb dort alleine zurück, wo er dann im März 1946 auch  verstorben ist. Mein geflüchteter Bruder Adolf konnte danach mit seiner Familie nicht wieder nach Hause zurückkehren, weil die Nordbukowina ab 1944 zur Sowjetunion gehörte. Mein Bruder hatte aus Rumänien auch keinerlei Verbindung zu meinem Vater nach Czudyn. In den Jahren nach unserer Umsiedlung nach Deutschland 1940, wurden viele dortigen deutschen Häuser und Gehöfte auf diesem Berg, nach und nach von den Bewohnern der dortigen Umgebung bezogen und die Flächen bewirtschaftet. Im Jahre 1946 wurde unsere gesamte damalige Wohngegend und die große kilometerweite Gemeinde-Hutweide sowjetisches Militärgebiet und als Panzerübungsgelände ausgebaut. Fast 44 Jahre fuhren darauf Panzer, Kriegsmanöver wurden darauf ausgetragen und danach sieht auch heute noch das Gelände aus. Heute gehört diese Gegend der ukrainischen Armee, doch die militärischen Übungen ruhen vorübergehend, weil dafür kein Geld vorhanden ist. Es wird auch nicht für landwirtschaftliche Zwecke frei gegeben, da das ukrainische Militär darauf hofft, es eines Tages wieder als Panzerübungsgelände nutzen zu können. Der Anblick dieser Gegend, unserer ehemaligen schönen alten Heimat, die heute eine öde Landschaft ist, von Unkraut und Sträuchern verwildert, von bereits eingefallenen Schützengräben und Panzerstellungen sowie Panzerketten-Fahrspuren durchzogen, sieht trostlos aus. Wo wir einst gewohnt und gelebt hatten, steht heute weder ein Baum noch ein Strauch. Trotzdem konnte ich in etwa unser Grundstück ausmachen, konnte mich daran erinnern, wo unser Haus, Stall, Scheune und alles andere stand, wo auch das Haus meines Bruders den Standort hatte und auch wo unser Acker, Gemüsegarten und der große Obstgarten einst waren. Danach hatte ich auch zum 3. Mal die Stelle in der Senke aufgesucht und gefunden, wo einst unser Brunnen stand. Heute ist dort nur eine ausgetrocknete Vertiefung auszumachen, als eingefallener Brunnen noch zu erkennen und auch die Stelle des Pfades konnte ich auch in etwa ausmachen, wo wir so schwer die vollen Wassereimer auf den Berg hinauf tragen mussten. Dieser Pfad war wohl deshalb noch etwas sichtbar, weil scheinbar die Panzer diesen steilen Anstieg nicht befahren wollten. Zum Schluss meiner Besichtigung unseres ehemaligen Wohnplatzes nahm ich meine Handskizze, die ich mir nach meinen Vorstellungen zu Hause angefertigt hatte, zur Hand und verglich sie mit der dortigen Wirklichkeit. Im weiteren Abstand um unserem Berg, wurden in unserem Ortsteil Kornischor nach 1944 auch viele nichtdeutsche alte Häuser abgerissen, auch neue gebaut, so das das Ortsbild sich auch im Laufe der Jahre vielfältig verändert hat. Damit schloss ich hier meine Nachforschung ab und verließ diesen so genannten „Kosiulsberg“. Über den Straßenverlauf von Czudyn nach Neuhütte, im Bereich der Schule im Ortsteil Kornischor, hatte ich mir zu Hause auch eine Handskizze angefertigt, um zu vergleichen, wie es einst da aussah und wie es heute aussieht. Doch auch dieser Vergleich war vergebens. An beiden Straßenseiten waren sehr viele Häuser bereits abgerissen und in anderen Abständen und Formen auch neue gebaut, so dass da ein Vergleich unmöglich war. Die meisten heutigen dortigen Bewohner kennen den Stand von 1940 nicht und können dazu auch keine Informationen geben. Das Schulgebäude hatte an ihrem Hauptteil, hinten auf dem Hof in den vielen Jahren einen Anbau dazu bekommen und wurde dadurch nach hinten hinaus vergrößert. Die Vorderansicht des Schulgebäudes ist noch original wie 1940. Jedoch der Haupteingang zur Schule, von vorne, der Hauptstraßenseite wurde geschlossen, also verändert und nach hinten als Seiteneingang von der Nebenstraße aus, eingerichtet. Die Hinteransicht der Schule war durch diesen Anbau so verändert, dass ich sie von hinten erst gar nicht erkannt hätte. Als wir uns in diesem Ortsteil Kornischor und auf dem so genannten „Kosiulsberg“ aufhielten, da ging es hier wie ein Lauffeuer durch den Ort: „der Sohn vom Anton Kosiul ist hier“. Als wir in diesem Ortsteil die Straße entlang gingen, da kamen von allen Seiten mehrere Menschen jung und alt und umringten uns förmlich. Einige waren neugierig, andere wollten mir Informationen geben. Am Ende waren es etwa zusammen 30 bis 40 Personen, die alle rumänisch durcheinander sprachen, so dass ich gar nicht wusste, wo ich hinhören bzw. worauf ich mich orientieren sollte. Viele erhofften sich von mir vielleicht auch einige Geschenke, doch ich hatte nicht so viel bei mir. Ich konzentrierte mich auf die ältesten Frauen und Männer unter ihnen und nach und nach hatte das jüngere Volk uns verlassen, so dass es dann weniger und übersichtlicher sowie auch die Unterhaltung sowie ruhiger wurde. Dabei konnte ich auch feststellen, dass ich in individuellen Gesprächen mit den Einzelnen noch mehr erfahren hätte, wie das hier in diesem Gruppengespräch der Fall war. Da gab es in dieser Gesprächsgruppe auch ältere rumänische Frauen, die meinen Vater und unsere Familie kannten. Doch sie sprachen alle durcheinander und jeder wollte mir darüber etwas erzählen. Ein sehr alter beinamputierter Mann machte mir, am Rande dieser Gesprächsgruppe, durch sein Kopfschütteln den Eindruck, dass er zu den Informationen der Frauen eine andere Auffassung hatte und noch viel mehr wusste als diese Frauen, es aber in dieser Frauengruppe nicht erzählen wollte. Deswegen stand dieser alte Mann abseits dieser Frauengruppe alleine und zurückhaltend. Da mir dort am Rande der Gesprächsgruppe dieser beinamputierte rumänische Mann –durch sein verneinendes Kopfschütteln- aufgefallen war, hatte ich mir diesen Mann –unauffällig aus den Augenwinkeln heraus- gut angeschaut und gemerkt, weil ich ihm danach auch noch alleine sprechen wollte. Doch dieses Gruppengespräch mit den vielen rumänischen alten Frauen hatte mich so stark beschäftigt, dass ich mit der Zeit von diesem beinamputierten Mann sichtlich abgekommen war. Wie sich hier im Gespräch heraus gestellt hatte, war eine Frau in dieser Gesprächsrunde die Schwester der Frau, die mein Vater bis zu seinem Tode 1946 betreut hatte. Dieser sehr alte Mann, der sich in diesem Gespräch in dieser Gruppe sehr zurückhaltend verhielt und nur Zuhörer war, wusste bestimmt mehr über meinem Vater und sein Schicksal. Deswegen hatte ich vor, etwas später mit ihm alleine zu sprechen, um dadurch von ihm noch mehr Informationen zu erhalten. Doch nach einiger Zeit der Unterhaltung in dieser Gruppe, ist mir dieser sehr alte Mann dann verschwunden, ohne dass ich es im Eifer dieser vielen Unterhaltungen gemerkt hatte. Wäre ich mit diesem alten Mann alleine gewesen, so hätte ich garantiert noch mehr von ihm erfahren und vielleicht manches auch objektiver sowie wahrheitsgetreuer. Ich nehme stark an, dass dieser sehr alte Mann auf die Schwester der Betreuerin meines Vaters deswegen nicht so gut zu sprechen war, weil sie –mit gegenüber- manches entstellt oder verlogen dargestellt hatte, um ihre Schwester in ein gutes „Licht“ zu bringen, oder weil sich ihre Schwester von meinem Vater alles angeeignet hatte. Vielleicht hatte er ihr das auch nur nicht gegönnt. Da dieser sehr alte Mann dort in der Gesprächsgruppe mit der Frau keinen Streit haben wollte, hatte er sich, für mich unbemerkt stillschweigend von dort verzogen. In dieser Gesprächsgruppe hatte ich folgende Informationen über meinem Vater erhalten: Eine ältere rumänische Frau hatte meinen Vater von Frühjahr 1944 bis zu seinem Tode -im März 1946- unterstützt und betreut sowie bis zu seinem Tode auch versorgt. Diese rumänische Betreuerin meines Vaters, wohnte mit ihrer Tochter im Hause meines Bruders, auf unserem Grundstück etwa 60 m von meinem Vater und seinem Wohnhause entfernt. Sie soll mit ihrer Tochter, meinen Vater bei seinen Haus- und Garten- sowie Feldarbeiten unterstützt und als er kann krank war, ihm auch versorgt und betreut haben. Nach dem Tode meines Vaters hatte diese rumänische Frau und Betreuerin meines Vaters, ihm auch beerdigt haben. Wie gut oder schlecht sie meinen Vater von 1944 bis 1946 betreut und versorgt hatte, bleibt für immer fraglich.
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