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Willi Kosiul Autor
aus der Bukowina
Meine Reise von 1997 in die ukrainische Nordbukowina
Meine zweite Reise war vom 19. Juni bis 26. Juni 1997 = 8 Tage, mit dem Reisebus des Reiseunternehmens „Fuchs“ aus Oschersleben in Sachsen- Anhalt, durch Polen in die Ukraine und dabei wieder in die ukrainische Nordbukowina. Von den insgesamt 8 Tagen, hatten wir 4 Reisetage (für die Hin- und Rückfahrt) sowie 4 Aufenthaltstage in der ukrainischen Nordbukowina, wo wir uns dort wieder frei bewegen durften. Hier der Reisebus des Reiseunternehmens Günther Fuchs aus Oschersleben in Sachsen-Anhalt auf seiner Reise über Berlin – Cottbus – Breslau – Kattowitz - Krakau in die ukrainische Nordbukowina, unterwegs bei einer größeren Rastpause, mit zwei angestellten Busfahrern dieses Reiseunternehmens und unser Landsmann Wenzel Zahn aus Hornhausen war unser verantwortlicher Reiseleiter. Die Vorbereitung meiner 2. Reise in die Nordbukowina Wie schon am Ende meiner 1. Bukowinareise geschildert, waren bei der Reise 1996 alle meine Fragen, die ich über die Geschichte meiner Familie und meiner ehemaligen alten Heimat, -die Bukowina- dort erforschen wollte, noch nicht beantwortet. Viele offene Fragen oder noch nicht voll überzeugende Antworten waren bei mir noch vorhanden. Deswegen stand bereits bei der Rückkehr meiner 1. Reise 1996 mein Entschluss fest, nach Möglichkeit 1997 wieder in die Nordbukowina zu fahren. Ich meldete mich bereits im Januar 1997 telefonisch wieder beim Reiseunternehmen Pohl in Sittichenbach bei Eisbeben / Halle an und ließ mich bereits dort als Reiseteilnehmer vormerken. Da dieses Reiseunternehmen im Jahre 1997 die vorgesehene Reise, wegen Mangel an Beteiligung, abgesagt hatte, suchte ich mir sofort eine andere Reisemöglichkeit, das Reiseunternehmen „Fuchs“ in Oschersleben, ebenfalls Sachsen-Anhalt und meldete mich dort an. Diese Reise in die Nordbukowina war für die Zeit vom 19. bis 26. Juni vorgesehen und auch bereits ausgebucht. Da aber ein Reiseanmelder wegen Krankheit –von dieser Reise- zurückgetreten war, hatte nur ich alleine die Möglichkeit –ohne meinen buchenlanddeutschen Landsmann Ambros Wawrik-  als Nachmeldung dort mitzufahren. Mein Bekannter und Mitreisender von 1996, der hier ebenfalls mitfahren wollte, konnte deswegen nicht mehr angenommen werden. Das Reiseunternehmen „Olympia-Reisen“ Fuchs aus Oschersleben in Sachsen-Anhalt hatte dazu einen 4-Sterne Reisebus „Mercedes“ mit 2 Busfahrern und 44 Sitzplätzen für die Reisegäste im Einsatz. Die Fahrtstrecke dieser Reise führte von Oschersleben – Autobahn Berliner Ring – Cottbus – Breslau – Oppeln – Kattowitz – Krakau –Przemysl – Czernowitz mit insgesamt 1.517 km. Am Donnerstag, dem 19. Juni 1997 war um 04,00 Uhr die Abfahrt in Oschersleben mit unterwegs einigen Zusteigestellen. Die letzte Zusteigestelle für die Mitreisenden aus dem Raum Berlin und Potsdam war um 07,30 Uhr auf der Autobahn-Raststätte Berlin-Michendorf , die ich ebenfalls benutzte. Dadurch hatte ich von Neubrandenburg zur Autobahn-Raststätte Michendorf eine bedeutend kürzere Anfahrtstrecke. Die Abfahrt für mich aus Neubrandenburg in die Nordbukowina erfolgte hier in Deutschland als Zusteiger, auf der Autobahn Berliner Ring, Autobahn-Parkplatz Michendorf bei Berlin. Danach ging es über Cottbus – Breslau – Kattowitz – Krakau – Tarnow – Lemberg – nach Czernowitz als unseren Reisezielort und auch so wieder zurück. In Czernowitz waren wir wieder im dortigen größten Hotel „Tscheremosch“ –mit Frühstück und Abendessen- untergebracht. Bereits am Vortage, am Mittwoch, dem 18. Juni 1997 war ich mit meinem Auto alleine von Neubrandenburg zur Autobahn Berliner Ring gefahren und hatte mich, nach einer Vorbestellung, in einem kleinen Dorf Seddin bei Michendorf –in der Nähe der Abfahrtstelle- in ein Fremdenzimmer einquartiert. Dort auf dem privaten Grundstück konnte ich auch mein Auto sicher abstellen und für die Tage meiner Abwesenheit hinterlassen. Am Tage der Abfahrt, am Donnerstag, dem 19. Juni 1997 hatte mich meine Quartiergeberin um 07,00 Uhr mit ihrem PKW zum Autobahn-Parkplatz Michendorf –zu meiner Zusteigestelle- gebracht. Dort waren bereits mehrere Mitreisende unserer Reisegruppe aus dem Raum Berlin und Potsdam angekommen, die mit ihrem vielen Gepäck auf unserem Reisebus warteten und deswegen schon von weitem zu sehen waren. Um 07,30 Uhr traf auch pünktlich unser Reisebus aus Oschersleben ein, wir Zusteiger stiegen in diesen Reisebus ein und schon ging es weiter in Richtung Cottbus. Die Entfernung unserer Anreise von Berlin bis nach Czernowitz betrug insgesamt 1.192 km. - Von der Autobahn Berliner Ring – über Cottbus zur deutsch-polnische Grenze waren es 177 km, - von der deutsch-polnischen Grenze bis nach Tarnow zur Zwischenübernachtung waren es 550 km, - von der Zwischenübernachtung Tarnow bis zur polnisch-ukrainischen Grenze waren es 165 km, und - von der polnisch-ukrainischen Grenze Przemysl bis nach Czernowitz waren es dann nochmals 300 km. Die Anreise nach Czernowitz in die Nordbukowina Am Donnerstag, dem 19. Juni 1997 um 07,45 Uhr fuhr unser Reisebus ab Autobahn Berliner Ring – Raststätte Michendorf-, in Richtung Cottbus zur polnischen Grenze. Das Reisewetter war auf unserem Abfahrtstag, für uns gut, leicht bewölkt, warm und trocken. Um 9.30 Uhr waren wir bereits an der deutsch-polnischen Grenze bei Cottbus angekommen, wo ein sehr starker grenzüberschreitender Reiseverkehr herrschte. Die Grenzabfertigung dauerte hier nur etwa 15 Minuten. Die Kontrolle der Reisepässe wurde im Reisebus relativ schnell und ohne Probleme durchgeführt. Unser Gepäck war davon nicht betroffen. Danach ging die Reise weiter auf der Autobahn bzw. guten Straßen über Breslau- in Oppeln über die Oder, dann Gleiwitz – Beuthen und Kattowitz, alles große Städte, die dicht nebeneinander liegen oder fast in sich ineinander gehen. Es ist ja das polnische Steinkohlenrevier und auch das polnische Industrieballungsgebiet. Unser Landsmann Herr Wenzel Zahn aus Nordhausen bei Oschersleben war unser Reiseleiter und gab sich alle Mühe, allen Reisegästen die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Fahrt ging durch Südpolen über die flache Ebene und auch hier war das Reisewetter gut. Danach ging es in Krakau über die Weichsel und um 19.05 Uhr hatten wir Tarnow, unser Tagesziel zur Zwischenübernachtung im Hotel „Tarnovia“ erreicht. Gegen 20.00 Uhr gab es dort ein gutes Abendessen. Danach ging es auf die Zimmer zur Übernachtung und auch frühzeitig zu Bett, um für den nächsten Tag der schweren Reise in der Ukraine gut erholt zu sein. Am Freitag, dem 20. Juni 1997 war unser 2.Reisetag. Um 5.00 Uhr war für unsere Reisegruppe wecken, per Telefon durch die Angestellten der Rezeption. Um 6.00 Uhr gab es Frühstück und um 6.30 Uhr war bereits die Abfahrt ab Tarnow zur polnisch / ukrainischen Grenze. Um 10.00 Uhr waren wir an der Grenze bei Przemysl angekommen. Die Entfernungen von der polnisch / ukrainischen Grenze bei Przemysl –laut einigen dortigen Hinweisschilder- betragen, nach: - Przemysl = 13 km,   - Krakau = 256 km,   - Dresden = 776 km. Nach einer Stunde Wartezeit auf polnischer Seite in der Warteschleife, erreichten wir um 11,00 Uhr die polnische Grenz- und Zoll- Kontrollstelle. Die polnische Kontrolle wurde recht schnell im Reisebus –als Passkontrolle- durchgeführt und schon konnten wir danach in einigen Minuten weiter fahren, zur ukrainischen Grenzkontrolle. Doch hier mussten wir zunächst etwa 2 Stunden im Niemandsland, in der Warteschleife warten, bis wir um 13,00 Uhr die ukrainische Grenz- und Zoll-Kontrollstelle erreicht hatten. An dieser ukrainischen Kontrollstelle mussten wir alle mit unserem Reisepass aus dem Reisbus aussteigen, ins Grenzgebäude gehen, dort eine Kontrollschleuse passieren, wo die Reisepässe kontrolliert, mit unserem Angesicht verglichen und unsere Reisepässe dort zur Fahndungskontrolle einbehalten wurden. Unser Reisebus hatte dabei leer diese Kontrollstelle passiert und wurde ebenfalls im inneren kontrolliert. Nach dieser ukrainischen Grenz- und Zoll-Kontrolle durften wir wieder in unserem Reisebus einsteigen. Im Reisbus erhielten wir alle von unserem Reiseleiter eine Zollerklärung in ukrainischer Sprache, die wir nun ausfüllen sollten. Da wir ukrainisch weder lesen noch schreiben konnten, musste unser Reiseleiter die Fragen auf der Zollerklärung Zeile für Zeile und Frage für Frage langsam durchgehen und uns in deutsch ansagen, was da verlangt wird bzw. was da eingetragen werden musste. Bei dieser Erläuterung hatten wir alle gemeinsam, schrittweise, Zeile für Zeile und Spalte für Spalte, alles ausgefüllt und unterschrieben. Danach wurden alle Zollerklärungen im Reisebus durch unseren Reiseleiter eingesammelt und einer ukrainischen Zollangestellten übergeben. Unsere Koffer wurden nicht kontrolliert. Nun hatten wir die ukrainische Grenz- und Zollkontrollen hinter uns und hätten schon weiter fahren können. Aber es ging noch nicht, weil wir unsere Reisepässe noch nicht zurückbekommen hatten. Die waren ja immer noch bei den ukrainischen Grenzkontrolleuren. Deswegen mussten wir weiter warten bis nach längerer Zeit ein Grenzangestellter kam und unserem Reiseleiter den Stapel Reisepässe übergab. Erst dann hatten wir alles erledigt und konnten erst nach fast 3 Stunden, um 15.45 Uhr nach unserer Zeit, nach ukrainischer Zeit war es bereits schon 16.45 Uhr unsere Reise fortsetzen. Somit hatten wir insgesamt an dieser polnisch-ukrainischen Grenze fast 6 Stunden gebraucht, um diese ukrainische Grenze zu passieren. So verließen wir mit viel Ärger im Bauch und Frust in der Brust um 16.45 Uhr die ukrainische Grenze und kamen deswegen, sowie auch der dortigen schlechten Straßenverhältnisse, erst um 24.00 Uhr in Czernowitz im Hotel „Tscheremosch“, in unserem Stand- und Übernachtungs-Hotel an. Da die dortige Hotelküche und das Restaurant zu dieser Zeit bereits geschlossen hatten, bekamen wir auch kein Abendessen mehr und gingen deswegen mit leerem Magen zu Bett. Mein dortiger Aufenthalt in Czernowitz, in Althütte und in Czudyn Am Samstag, dem 21. Juni 1997 –mein 1. Aufenthaltstag in der Nordbukowina. Um 08,00 Uhr gab es im Hotelrestaurant Tscheremosch in Czernowitz ein reichliches und gutes Frühstück und um 9.00 Uhr ging es mit unserem Reisebus ab nach Althütte, in die einstige erste deutschböhmische Wohnsiedlung und auch Glashütte der Bukowina von 1793. Da wir zuerst nach Czudyn fuhren, danach nach Neuhütte und auch noch nach Krasna, um dort kurze Ortsbesichtigungen zu machen, kamen wir erst nach 3 Stunden -um 12,00 Uhr- in Althütte an. Hier in Althütte wurden wir wieder, an der dortigen Bushaltestelle –unserer End- und Wartestation- von vielen Kindern sowie auch Erwachsenen aus Althütte erwartet und begrüßt, die dort schon lange auf uns gewartet hatten, weil sie ja bereits wussten, dass wir dort ankommen würden. Was Wetter war ausgezeichnet, blauer Himmel und Sonnenschein, Temperaturen um 28 Grad. Ich hatte einen älteren Bruder Adolf, der eine rumänische Frau geheiratet hatte und 1940 nicht mit uns nach Deutschland umgesiedelt war. Er war mit meinem Vater in Czudyn geblieben. Im März 1944, als die Ostfront die Bukowina erreichte, ist mein Bruder Adolf mit seiner Familie in das westliche Rumänien geflüchtet, hatte danach mit seinen 6 Kindern in Vama bei Suczawa gelebt und ist 1989 dort verstorben. Diese seine Kinder leben auch heute noch dort. Bereits von zu Hause aus, hatte ich 2 Kinder meines Bruders (Eugenia und Stefan) aus Rumänien, für diesen 21. Juni 1997 zu mir nach Czernowitz, zu einem Wiedersehen, eingeladen und sie hatten diesem Treffen auch zugesagt. Dazu hatte ich für sie, von zu Hause, extra zwei große Koffer voller bereits getragener, aber noch sehr guter Bekleidungsgegenstände mitgenommen, um sie ihnen zu schenken. So kamen diese beiden Kinder meines Bruders, bereits am Freitag = am Vortage, mit einem rumänischen Linienbus von Suceava nach Czernowitz und quartierten sich hier in Czernowitz bei Privatleuten ein. Am Samstag, dem 21. Juni erschienen sie dann um 7.00 Uhr bei mir im Hotel. Mit Erlaubnis unseres Reiseleiters, nahm ich beide mit unserem Reisebus nach Althütte mit. Dadurch hatten sie beide jetzt auch die Möglichkeit, sich ihren Geburtsort und ihren ehemalige Heimat Czudyn und Umgebung anzuschauen. Stefan wurde im Jahre 1940 und Eugenia 1941 in Czudyn geboren, sind im März 1944 mit ihren Eltern von dort geflüchtet und hatten danach –bis jetzt- ihren Heimatort nie wieder gesehen. In Althütte mietete ich mir ein Privatauto –Lada- mit Kraftfahrer an, der schon dort an unserer Bushaltestelle auf einen kleinen Verdienst gewartet hatte. Mit diesem Privatauto fuhren wir –ich mit meinen beiden Verwandten aus Rumänien- alle zusammen gleich nach Czudyn und in unserem Ortsteil Kornischor, wo wir einst gemeinsam nebeneinander gewohnt und gelebt hatten. Hier suchte ich zunächst den weitläufigen Verwandten Kornetzky auf, den ich bei meiner 1. Reise im Jahre 1996 dort ermittelt hatte. Herr Kornetzky war der Schwager der Ehefrau meines Bruders Adolf und dadurch der Onkel dieser beiden Kinder meines Bruders, den sie gar nicht kannten. Wir fuhren mit dem Auto in den Wald zu dem allein stehenden Wohnhaus der Familie Kornetzky. Danach suchten wir zu Fuß, in etwa 400 m Entfernung, mit Herrn Kornetzky gemeinsam die Stelle unseres einstigen Wohnplatzes auf und besichtigten unseren Berg, wo unser Wohnhaus sowie unser Bauernhof und auch das kleine Wohnhaus meines Bruders Adolf gestanden hatten. Unser ortskundige Begleiter Herr Kornetzky zeigte und erläuterte uns, wo einst alles gestanden und wie es ausgesehen hatte. Die Kinder meines Bruders sahen diese ihre einstige Wohngegend –seit 1944- zum ersten Mal und waren davon auch sehr beeindruckt. Da in den Jahren 1946 und 1947 hier alle Gebäude abgerissen und ein großes Panzerübungsgelände errichtet wurde, ist heute dort nur noch eine Wüstenlandschaft zu sehen. Ich hatte mir dieses Mal alles in Ruhe nochmals angeschaut, alle erhaltenen Informationen zur Kenntnis genommen und noch einige Fotoaufnahmen gemacht. Nach dieser Besichtigung waren wir dann alle gemeinsam wieder zu unserem Auto gegangen und zum Wohnhaus der Familie Kornetzky, um ihnen einen kurzen Besuch abzustatten. Ich hatte mir bereits zuhause, aus meinem Gedächtnis heraus, eine Handskizze von unserer dortigen Wohngegend Kornischor angefertigt, mit den Straßen, den Häusern und den Namen der damaligen dortigen Bewohner, um es jetzt bei der Reise 1997 dort vor Ort zu vergleichen. Diese meine Ortsskizze von dem Ortsteil Kornischor, dem Berg, wo wir und alle deutschen Familien gewohnt hatten, hatte ich nun 1997 mitgenommen und wollte sie vor Ort vergleichen, aber leider umsonst. Es war zwischen meiner Ortsskizze und der Natur nichts mehr zu vergleichen, weil dort nichts mehr stand. Die Straßen und Wege waren weg, kein Gebäude und auch kein Baum waren da zu sehen. Es war nur noch der von Panzerketten verfahrene kahle Berg. Das Einzige, was laut meiner Skizze heute noch steht, ist die alte Schule, die etwas weiter weg in der Niederung an der Hauptstraße nach Neuhütte sich befindet. Nun setzten wir mit unserem Auto die dortige Ortsbesichtigung fort. Zunächst kamen wir wieder an meiner ehemaligen Schule vorbei. Trotzdem ich sie bereits 1996 schon zweimal von innen und außen gesehen hatte, hielten wir hier noch einmal an. Da es aber Samstagnachmittag und die Schule verschlossen war, konnten wir sie nur von außen besichtigen. Danach verließen wir den Schulort Kornischor und fuhren zum Czudyner Bahnhof, von wo aus wir im Oktober 1940 mit einem Sonderzug, nach Deutschland, abgefahren waren. Wie bereits 1996 gesehen und beschrieben, sieht der Bahnhof und das gesamte Bahnhofsgelände von Unkraut sehr verwachsen, verlassen und einsam aus. Ich sah mir die Räumlichkeiten, wie Warteraum, Fahrkartenschalter, Fahrkarten- und Gepäckraum usw. von innen an und war über diese Unsauberkeit, die ramponierten Möbelstücke usw. sehr enttäuscht. Ein junger Diensttuender Bahnangestellter war in einem Raum tätig. Da der Fahrkartenschalter geschlossen war, öffnete ich seine Zimmertür und fragte auf Russisch, ob man hier Fahrkarten kaufen kann. Er antwortete mir dazu: „Nein! Jetzt nicht, erst wieder morgen früh, vor Abfahrt des Zuges.“ Doch dieser Bahnangestellte konnte auch rumänisch, daher konnte ich mich mit ihm  –noch besser- in rumänischer Sprache unterhalten. Die Verständigung war dadurch gegeben und ich erhielt dabei auch einige neue Informationen. Aus dieser Unterhaltung heraus habe ich erfahren, dass der Czudyner Bahnhof nur noch bedingt in Betrieb ist. Für den Personenverkehr ist es ein „Sackbahnhof“. Die Personenzüge fahren ab Czudyn nur in  Richtung Nordosten-, morgens nach Storozynetz in die einstige Kreisstadt und abends wieder zurück. Vor der Abfahrt des jeweiligen Zuges werden für diese Fahrt die Fahrkarten verkauft, die auch sehr teuer sind. Auch der Güterverkehr ist sehr gering. Die Güterzüge fahren nach Nordosten nach Storozynetz und auch –bei Bedarf- auf einem Bahnbetriebsgleis in Richtung Süden bis Krasnoilsk, etwa 3 km ins dortige Sägewerk sowie die Sperrholzfabrik und wieder zurück nach Czudyn. Weiter geht es da nicht, weil dann schon die ukrainisch / rumänische Grenze ist und auch das höhere Gebirge beginnt. Die frühere Schmalspurbahn von Augustendorf nach Czudyn, mit der 1940 die deutschen Umsiedler von Augustendorf und Banilla nach Czudyn gebracht wurden, hier umstiegen und dann von Czudyn mit dem Transport nach Deutschland abgefahren waren, wurde abgebaut und existiert heute nicht mehr. Der Bahnhof Czudyn, bis 1940 als ein bedeutsamer Bahntransporteur für unsere dortige Umgebung ist heute kaum noch von Bedeutung. Nach der Bahnhofsbesichtigung fuhren wir dann noch einige Straßen in Czudyn ab, ich schaute mir nochmals alles an, machte dabei noch einige Fotoaufnahmen und dann ging es ab nach Althütte zu unserem Reisebus zurück. Um 17.00 Uhr fuhren wir wieder mit unserem Reisebus von Althütte wieder nach Czernowitz und um 18.30 Uhr waren wir wieder in unserem Hotel „Tscheremosch“, welches nach dem dortigen Grenzfluss zur Slowakei - benannt wurde. Nach dem Abendessen wurde unserer Reisegruppe im Speiserestaurant ein Folkloreprogramm mit Musik, Gesang und Tanz geboten. Doch ich hatte heute dafür keine Zeit. Da ich meine Verwandten aus Rumänien hier im Hotel zu Besuch da hatte, konnte ich nicht daran teilnehmen. Nach 20,00 Uhr empfing ich meinen rumänischen Besuch, in meinem Hotelzimmer. Hier in meinem Hotelzimmer konnte ich mich mit beiden Kindern meines Bruders Adolf (mit der Eugenia und dem Stefan) bis Mitternacht, in aller Ruhe, über familiäre Dinge unterhalten. Das war für mich auch sehr informativ, angenehm und erfreulich. Leider kam dann die Zeit des Abschieds, denn es war schon sehr spät geworden. Es war ein sehr trauriger Abschied, denn wir wussten nicht, ob wir uns auf Grund meines Alters und meines Gesundheitszustandes noch einmal wieder sehen werden. Danach hatte ich beiden Kindern, die von zu Hause mitgebrachten 2 Koffer voller Sachen sowie auch noch einiges an neu eingekauften Geschenken mitgegeben und dazu auch noch etwas an Bargeld. So verließen beide Kinder meines Bruders, mit vielen Geschenken beladen, mein Hotelzimmer und begaben sich in ihre angemietete Privatunterkunft im Czernowitz. Ich hatte sie noch bis zum Hotelausgang begleitet und ging wieder traurig auf mein Zimmer. Beide Kinder meines bereits 1989 verstorbenen Bruders Adolf hatten noch in Czernowitz übernachtet und fuhren am nächsten Morgen mit dem Linienbus aus Czernowitz wieder nach Hause nach Vama bei Suczawa in Rumänien zurück. Am Sonntag, dem 22. Juni 1997, mein 2. Aufenthaltstag in der Nordbukowina. Nach unserem reichhaltigen Frühstück im Hotel, fuhr unser Reisebus auch an diesem Sonntag, um 9.15 Uhr wieder nach Althütte, wo auch ich mitgefahren war. Unterwegs machten wir in unserer ehemaligen Kreisstadt Storozynetz, auf Deutsch Stroschnitz, ca. 1 Stunde eine kleine Stadtrundfahrt, um die Stadt zu besichtigen. An diesem Sonntagvormittag war auf dem Markt eine umfangreiche Handelstätigkeit mit Lebensmittel und Bekleidungswaren, die wir uns noch anschauen konnten. Storozynetz war bis 1944 eine Kreisstadt und hatte damals etwa 16.000 Einwohner. Heute gibt es im gesamten Gebiet der Nordbukowina nur einen großen Verwaltungskreis mit der Gebietshauptstadt Czernowitz. Storozynetz ist heute nur noch eine administrative Regionalstadt für den südlichen Teil der Nordbukowina. Die Stadt Storozynetz liegt an der Hauptstraße zwischen Czernowitz und Czudyn und ist von Czudyn etwa 16 km entfernt. Bis 1940 hatte Storozynetz einen großen Handelsmarkt (auch Viehmarkt) für diese Umgebung. Die zentralen großen Markttage für Czudyn waren der Mittwoch, für Storozynetz der Donnerstag und für Radautz der Freitag amtlich festgelegt und auch so durchgeführt. So war dann diese Markttätigkeit jede Woche bis 1940 abgelaufen. Am Samstag hatten die Juden ihren Feiertag und da war keine zentrale Markthandelstätigkeit. Viele Bewohner der umliegenden Dörfer sind bis 1940 nach Czudyn oder Storozynetz zum Markt gegangen und haben dort gekauft oder verkauft, vom Hühnerei bis zum Pferd. Heute beschränkt sich die Handelstätigkeit in Storozynetz nur auf kleinere Produkte oder Warengegenstände wie Obst, Gemüse, Bekleidung usw. und auch nur für die Stadt. Nach diesem kurzen Aufenthalt in Storozynetz fuhren wir weiter, über Czudyn und Krasnoilsk nach Althütte, wo wir um 12.00 Uhr angekommen waren. Das Wetter war wieder ausgezeichnet, blauer Himmel und Sonnenschein, Temperatur 32 Grad. Ich nahm mir an unserer Bushaltestelle in Althütte wieder ein Privatauto „Lada“ an und fuhr damit die Ortschaft Althütte sowie die sehr große Gemeinde Krasnoilsk ab und besichtigte sie. Der heute sehr große Ort und Gemeindeadministration Krasnoilsk besteht aus zwei zusammen geschlossenen Orten bzw. ehemaligen selbständigen Gemeinden, Krasna Ilski und Krasna Putna, die direkt nebeneinander liegen. Da Krasna Ilski und Krasna Putna durch ihren Häuserbau und die Ausdehnung ihrer Orte, an- und ineinander gewachsen sind, wurden sie beide etwa 1948 zu einem Ort und einer Gemeinde vereinigt, mit dem einheitlichen Namen „Krasnoilsk“ und einer Einwohnerzahl von über 6.000 Personen. Gegen 17,00 Uhr war ich mit meinem Privat-Taxi wieder in Althütte -an unserer Bushaltestelle- eingetroffen, um mit unserem Reisebus wieder nach Czernowitz ins Hotel zurück zu fahren. An unserer Bushaltestelle traf ich den deutsch sprechenden Schuldirektor von Althütte, der in meiner ehemaligen Heimatgemeinde Czudyn wohnhaft ist. Der Schuldirektor hatte mich an der Bushaltestelle in Althütte spontan zu sich nach Hause, mit Übernachtung in Czudyn eingeladen. Da ich mir von dieser Einladung einige Informationen über Czudyn versprochen hatte, nahm ich diese Einladung auch an. So fuhren wir beide mit unserem Reisebus bis Czudyn, stiegen dort aus und gingen zu ihm nach Hause. Seine Ehefrau brachte ein reichliches Abendessen auf den Tisch und nach dem Abendessen machten wir zu Fuß in Czudyn einen Spaziergang, besonders im Zentrum des Ortes. Dabei schaute ich mir den Ort Czudyn in aller Ruhe und Gemütlichkeit an. Der Spaziergang war an diesem warmen Abend recht erholsam, aber für mich nur wenig informativ. Mein Gastgeber ist durch seine Eheschließung, als Ukrainer nach Czudyn zugezogen, kannte deshalb Czudyn nicht von früher und konnte mir über Czudyn auch nichts von früher erzählen. Da es inzwischen schon spät wurde, gingen wir zu meinem Gastgeber nach Hause und gegen Mitternacht dann auch zu Bett. Am nächsten Morgen, am Montag früh fuhren wir, mein Gastgeber und ich, mit seinem PKW von Czudyn nach Czernowitz, wo er mit einem unserer Reisegäste eine Tagestour vereinbart hatte. Am Montag, dem 23. Juni 1997, mein 3. Aufenthaltstag in der Nordbukowina. An diesem Montag legte ich für mich, bei den hohen Temperaturen einen Ruhetag ein. Der Reisebus fuhr wieder nach Althütte, aber heute nur mit einigen unserer Leute. Die anderen Reisegäste hatten an diesem Montag eigene individuelle Vorhaben, denen sie auch nachgingen. Somit war dieser Montag auch für mich nicht nur ein ausgesprochener Ruhetag, sondern ein beabsichtigter erfolgreicher Informationstag. An diesem Tage habe ich mich alleine unserer ehemaligen Landeshauptstadt gewidmet. Ich ging in der Nähe unseres Hotels alle Straßen nacheinander ab, ich hatte ja Zeit, schaute mir alles in aller Ruhe an und machte davon mehrere Aufnahmen. Unweit unseres Hotels war ein Markt mit großer Handelstätigkeit. Ich besuchte auch diesen Markt, schaute mir die dort angebotene Waren und Preise an und unterhielt mich dort auch mit so manchen Händler und Kunden. Für meine Unterhaltungen suchte ich mir meist ältere Leute aus, nach Möglichkeit noch älter als ich, die persönlich so manches erlebt haben könnten. Ich fragte sie nach der Möglichkeit der sprachlichen Verständigung, deutsch oder rumänisch und ob sie bereits vor 1940 in der Bukowina gelebt hatten. Wenn das gegeben war, dann war ich mit ihnen auch gleich im Gespräch. Wenn dort in Czernowitz im Hotel Tscheremosch eine deutsche Reisegruppe eingetroffen war, dann zog es mehrere Deutschsprechende Bewohner von Czernowitz dort hin, um sich mit deutschen Touristen zu unterhalten und dabei auch etwas geschenkt zu bekommen. Das waren meist die einstigen Kinder von ukrainisch-deutschen Mischehen und darunter auch einige Juden, die zu uns Deutschen den Kontakt suchten. Unter solchen Gesprächspartnern fand ich an diesen Tagen -vor unserem Hotel- eine gut deutsch sprechende Frau, die 1928 in Czernowitz geboren und bis 1940 auch dort wohnhaft war. Ihre Mutter war eine Deutsche und ihr Vater war ukrainischer Abstammung. Im Jahre 1940 wurde sie, als 12-jähriges Mädchen, mit ihren Eltern nach Deutschland umgesiedelt und waren danach in Oberschlesien in einer Kleinstadt, im Raum Auschwitz, angesiedelt. Da ihr Vater vom Beruf Landvermesser war, war er dort in seinem Beruf als Angestellter tätig. Im Jahre 1944 ist ihr Vater dort in Oberschlesien an einer Krankheit verstorben und danach blieb sie mit ihrer Mutter alleine zurück. Als im Januar 1945 die Ostfront sich ihrer kleinen Stadt näherte, ist sie als 16-jähriges Mädchen mit ihrer Mutter, mit Handwagen und Rodelschlitten, mit etwas Handgepäck darauf, zu Fuß in Richtung Westen geflüchtet. Unterwegs wurden sie auch, von sich zurückziehendem deutschen Militär und auch von Flüchtingtrecks, streckenweise mitgenommen. So flüchteten sie und ihre Mutter bis Brandenburg bei Berlin, wo sie dann im Mai 1945 das Kriegsende erlebten. Als die dortige sowjetische Kommandantur es zur Kenntnis bekam, dass sie aus der Nordbukowina sind, was damals ja schon zur Ukraine gehörte, wurden sie aufgefordert, wieder nach Hause in die Nordbukowina zurück zu kehren. Danach wurden dort in Brandenburg etwa 300 Buchenlanddeutsche Personen, aus der Nordbukowina stammend, im Sommer 1945 zusammen genommen und per Bahntransport über Polen in die Nordbukowina, nach Czernowitz gebracht. Ihr Haus war in Czernowitz inzwischen von Ukrainern bewohnt, so dass sie sich eine Mietunterkunft selber suchen mussten. Im Herbst 1945 wurden alle diese aus Deutschland zurückgekehrten einstigen deutschen Umsiedler, sowie auch weitere dortige Personen deutscher Abstammung, aus Czernowitz und Umgebung zusammen genommen, dort in Czernowitz interniert und danach in geschlossenen Güterwagen per Bahntransport nach Kasachstan gebracht. Sie war damals 17 Jahre und ihre Mutter 43 Jahre alt. In Kasachstan wurden sie und ihre Mutter in Holzbaracken untergebracht und mussten dort 10 Jahre auf der Kolchose als Landarbeiter arbeiten. Sie bekamen von der Kolchose einige Naturalien zugeteilt sowie auch etwas Geld ausbezahlt und mussten sich dort selber versorgen und ernähren. Erst im Jahre 1955 –nach 10 Jahren- durfte sie und ihre Mutter sowie auch andere Deutsche wieder nach Hause, zurück nach Czernowitz, wo sie heute noch wohnt und lebt. Hier in Czernowitz hatten sie und ihre Mutter sich wieder eine Mietwohnung gesucht und waren beide dort als Arbeiterinnen tätig. Im Jahre 1957 –zwei Jahre nach ihrer Rückkehr aus Kasachstan- ist ihre Mutter in Czernowitz verstorben und sie blieb danach alleine zurück. Hier in Czernowitz hatte sie als Arbeiterin in einer Fabrik bis zu ihrem Rentenalter gearbeitet und blieb ledig. Heute ist sie 69 Jahre alt und bekommt eine Rente von monatlich 60,00 Griwen. Diese ihre, für die dortigen Verhältnisse, noch gute Rente, reicht nicht zum Leben aus. Sie hätte weiter keine zusätzlichen Einnahmen bzw. Land, Garten oder Kleintierhaltung, wodurch sie sich noch zusätzlich ernähren könnte. Mit nur ihrer blanken Rente hätte sie schon zu tun damit klar zu kommen. Seit einigen Jahren lebte sie mit einem älteren Juden (jetzt 80 Jahre alt) in Partnerschaft zusammen. Da das persönliche Schicksal dieser Frau streckenweise mit meinem ähnlich ist, (ich war 1945 und 1946 als Deutscher in rumänischer und sowjetischer Internierung in Rumänien), hatte mich ihr Schicksal sehr interessiert. Deswegen hatte ich mich mit dieser Frau sehr oft und umfangreich über viele Einzelheiten ihres Schicksals unterhalten. Auch dieser jüdische Herr, 80 Jahre alt, der gut deutsch sprechen konnte, war fast jeden Tag, morgens und abends vor dem Hotel, mit dem ich auch sehr viele interessante Unterhaltungen geführt hatte. Er war sehr gesprächig und erzählte mir sehr viel über die Geschichte der Bukowina. Aus der Wechselstube des Hotels hatte ich folgende Information erhalten: Am 01. Januar 1997 wurde in der Ukraine eine neue Geld-Währung eingeführt. Das alte ukrainische Geld „Kopon“ wurde im Verhältnis 1 : 100 000 umgetauscht, also 5 x die 0 weg gestrichen. Für 1 Million Kopon bekam man 10 Griwen. Die neue ukrainische Währung heißt ab 01. Januar 1997 „Griwen“ und das Kleingeld „Kopiiko“. Im Juni 1997 war der Wechselkurs : 100 DM = 102 Griwen. Mit dieser persönlichen Unterhaltung, mit dieser ehemaligen deutschen Frau und ihrem jüdischen Lebenspartner sowie auch noch weiteren Gesprächen mit Deutschsprechenden Bewohnern von Czernowitz und den dabei gesammelten verschiedenen Informationen, ging auch mein 3. Aufenthaltstag in der Nordbukowina zu Ende. Am Dienstag, dem 24. Juni 1997, mein 4. und letzter Aufenthaltstag in der Nordbukowina. Am 4. und unserem letzten Aufenthaltstag erfolgte eine Stadtrundfahrt und im Zentrum ein Stadtrundgang durch die Stadt Czernowitz. Herbei wurden wir von der deutsch sprechenden Reiseführerin unseres Hotels begleitet, die uns dort auch vieles erläuterte. Das Wetter war auch an diesem letzten Aufenthaltstag in der Nordbukowina ausgezeichnet, sehr warm, blauer Himmel und Sonnenschein. Dieser alte und kunstvolle Baustil aus der Zeit der österreichischen Monarchie kann immer wieder bewundert werden, besonders dann, wenn man ihn mit den neuzeitigen, großen, klotzigen, vierkantigen Wohnblöcken vergleicht. Dieser alte österreichische kunstvolle Baustil ist architekturmäßig heute noch wundervoll und war früher vor etwa 100 Jahren eine Schönheit. Doch sehr vieles ist davon heute sanierungsbedürftig. Am späten Nachmittag kehrten wir von der Stadtbesichtigung wieder in unser Hotel zurück. Um 17.00 Uhr gab es bereits Abendessen, weil zu 19.00 Uhr auf Wunsch mehrerer unserer Mitreisenden Eintrittskarten für eine Theaterveranstaltung besorgt wurden, so dass ein Teil unserer Reisegruppe nach dem Abendessen und dem letzten Aufenthaltstag in Czernowitz ins Theater gingen. Auch diese Theatervorstellung und besonders jetzt die Möglichkeit zu haben, das Theater von innen auch zu sehen und zu erleben, war für viele ein Erlebnis. So mancher unserer Theaterbesucher sagte, das Theatergebäude von außen wie auch von innen sieht aus, wie das Wiener Theater, nur bedeutend kleiner. Einige unserer Theaterbesucher waren von diesem inneren Baustil so ergriffen, dass sie das Gefühl hatten, sie wären im Wiener Theater, alles nur kleiner, aber sehr beeindruckend. So ging mit diesem Abend der Aufenthalt in Czernowitz und in der Nordbukowina leider für uns zu Ende. Viele dortige Bewohner hatten mir übereinstimmend erzählt, dass im Jahre 1945 die dortigen Deutschen  aus der Bukowina und auch aus Rumänien nach Sibirien und Kasachstan verschleppt und erst nach etwa 10 Jahren Zwangsarbeit nach Hause entlassen wurden. Viele sind auch dort verstorben  und nicht mehr zurückgekehrt. Bei der Kenntnisnahme diese Information stellte ich mir die Frage, was wäre mit uns Deutschen 1941 nach dem Überfall auf die Sowjetunion oder 1944 nach der Wiederbesetzung der Nordbukowina durch die Sowjetarmee, mit uns dortigen Deutschen geschehen? Ich glaube, wir alle, die da als Deutsche lebt hätten, hätten Sibirien oder Kasachstan kennen gelernt. Deswegen war die Umsiedlung der Deutschen aus der Bukowina im Herbst 1940 nach Deutschland, für uns allen die Rettung vor einer sowjetischen Verschleppung zur Zwangsarbeit nach Sibirien. Im Frühjahr 1941 wurden viele rumänische Männer aus der Nordbukowina nach Sibirien verschleppt, weil sie nicht bereit waren, bei der damaligen Sowjetarmee zu dienen. Einige rumänische Männer sind nach Erhalt des Einberufungsbefehls ins Gebirge geflüchtet, hatten sich dort versteckt bzw. sind illegal über die Grenze nach Rumänien gegangen, um der Einberufung zur Sowjetarmee zu entgehen. In diesen Fällen wurde dann aus Rache, die ganze rumänische Familie, die Frauen sowie Kinder dieser geflüchteten rumänischen Männer, durch sowjetische Soldaten von zu Hause, nur mit Handgepäck, abgeholt und nach Kasachstan zur Arbeit verschleppt. Erst 1947 wurden sie dann von dort nach Hause entlassen. So manche von ihnen sind aus den verschiedensten Gründen, wie Hunger, schwere Arbeit und kaum medizinische Betreuung und Versorgung, dort verstorben und kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück, sondern liegen heute in kasachstanischer Erde. Eine rumänische Frau aus Czudyn, die deswegen mit 4 Kinder verschleppt war, kehrte erst nach 6 ½ Jahren, nur noch mit 2 Kindern wieder in ihre Heimat zurück. Die anderen beiden Kinder sind dort verstorben. Ich habe persönlich mit dieser Frau gesprochen, die mir dieses erzählt hatte. Im Frühjahr 1941 wurde dort in der Nordbukowina folgende Bekanntmachung verkündet: Wer als Rumäne nach Rumänien umsiedeln möchte, sollte sich deswegen bei der örtlichen Behörde melden. Daraufhin hatten sich viele rumänische Familien zur Umsiedlung nach Rumänien gemeldet. Alle diese Rumänen, weil sie nicht unter der Sowjetherrschaft leben und sich ihnen nicht unterordnen wollten, wurden ebenfalls für mehrere Jahre nach Kasachstan verschleppt. Die gefallenen deutschen Soldaten wurden nach den Kämpfen oder und Schlachten 1944 in dieser Gegend, bei gegebener Möglichkeit durch die deutschen Soldaten beigesetzt. Dabei wurden Gräber errichtet, ein Kreuz mit Tafel und Personalien des Gefallenen angebracht und ein Stahlhelm aufs Kreuz oder Grab gelegt. Alle diese deutsche Soldatengräber wurden nach der Wiederbesetzung durch die Sowjetarmee, aus Rache zerstört und dem Erdboden gleich gemacht, um diese Spuren des „deutschen Faschismus“ zu beseitigen. Das war in der Nordbukowina und auch in der Ukraine so sowie auch in der ganzen damaligen Sowjetunion insgesamt Praxis. In Rumänien wurden die deutschen Soldatengräber an einige Stellen auch zerstört und oberirdisch beseitigt. An anderen Stellen blieben sie auch unberührt. In den 70-er und 80-er Jahren und besonders nach 1990 wurden viele deutsche Soldatengräber in Rumänien, im Auftrage der Hinterbliebenen dieser Gefallenen aus Deutschland wieder ordentlich hergerichtet und werden heute noch durch rumänische Familien privat gegen Bezahlung gepflegt. Soweit nur einige Informationen aus meinen Unterhaltungen mit vielen dortigen alten Bewohnern.
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