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Willi Kosiul Autor
aus der Bukowina
Die Verschleppung von Umsiedlern 1945 in die Sowjetunion Erlebnisbericht der Frau Hedwig Albrecht aus Molodia     (Entnommen aus „Molodia, Chronik eines Dorfes in der Bukowina“ von Gudrun Windisch,     Augsburg, 2006, Seite 290, (Interview mit Albrecht“ von 2001)- ein nur gekürzter Auszug.) Frau Hedwig wurde im Molodia bei Czernowitz in der Bukowina/Rumänien geboren. Im Herbst 1940 wurde sie als Kind mit ihren Eltern -aus der damals sowjetisch besetzten Nordbukowina- in das damalige Deutsche Reich umgesiedelt. Danach wurde ihre Familie im Mai 1941 im Kreis Bielitz/Oberschlesien als Bauern angesiedelt. Als die Ostfront sich ihrem Ansiedlungsgebiet nähere, floh die Familie am 19. Januar 1945 mit ihrem Pferdewagen –bei hohem Schnee und eisiger Kälte- in Richtung Westen und kamen durch das südliche Sachsen nach drei Wochen im Sudetenland an. Hier wurden sie bei Bauern untergebracht und erlebten dort auch das Kriegsende im Mai 1945. Auf Drängen der dortigen Bauern ihre Quartiere zu verlassen und in ihre Heimat zurück zu kehren –was für sie als heimatlos gewordene Umsiedler- gar nicht möglich war, verließen sie am 14. Mai 1945 ihre Quartiere in Leidmeritz/Sudetenland und zogen in einem kleine Treck mit 43 Pferdewagen weiter. Unterwegs wurde dieser Treck von sowjetischen Soldaten angehalten und ausgeraubt. Danach fragten sie die Flüchtlinge, woher sie stammten und wohin sie wollten und als die Leute ihnen die Wahrheit –Bukowina- gesagt hatten, da wurde ihnen allen alles abgenommen, die Pferde und Wagen sowie auch das große Gepäck und sie alle zu einem Bahnhof gebracht. Dort wurden diese Flüchtlinge in geschossene Güterwagen verfrachtet und mit einem Zug nach Czernowitz in die sowjetisch besetzte Nordbukowina gebracht, wo sie frei aussteigen und sich selber eine Bleibe suchen mussten. Die Familie Hornung ging nach Molodia und wurde nach langem Suchen nach einer Bleibe, dann dort notdürftig untergebracht und etwas verpflegt. Nach einer Woche kam die Gendarmerie und forderte die Familie auf, zur Schule in Molodia zu gehen und sich dort zu versammeln, was sie auch taten. Von dort aus wurden alle Deutschen ins Internierungslager Zuczka eingewiesen und standen jetzt unter polizeilicher Bewachung. Die Unterbringung war hier massenweise, das Essen sehr dürftig und geschlafen wurde hier auf Pritschen unter alten schmutzigen Decken. Alle arbeitsfähigen Personen waren zur Arbeit verpflichtet. Sie wurden jeden Morgen –auf einem Lkw nach Czernowitz zur Arbeit gebracht, wo sie jeweils bis zum späten Nachmittag bei der Stadtreinigung eingesetzt waren und dabei immer unter polizeilicher Kontrolle standen.  Im Oktober 1945 wurden die dort internierten Deutschen in Marschkolonne –unter polizeilicher Bewachung- zum Bahnhof gebracht, dort in geschlossene Güterwagen untergebracht und danach nach Osten in die Sowjetunion abtransportiert. Diese Güterwagen waren in zwei Etagen als Liegeflächen unterteilt, um darin mehr Personen unterzubringen. In der Mitte stand ein runder kleiner Ofen aus Metall zum Heinzen und zum Wasser kochen. Zum Essen gab es getrocknetes Schwarzbrot und gesalzene getrocknete Fische, die sehr viel Durst verursacht hatten und dabei das Trinkwasser sehr knapp war. Zum Waschen gab es keine Möglichkeit und daher hatten dort die vielen Läuse die Leute beschäftigt. Nach sieben Wochen Fahrt durch die Taiga ist dieser Transport am 07. Dezember 1945 in Duschanbe (früher Stalinabad) in Tatschikistan angekommen. Hier wurden die Leute als Zwangsarbeiter auf Baubetriebe sowie auf Kolchosen aufgeteilt, die hunderte von Kilometern entfernt lassen. Die Familie Hornung wurde in der Stadt Duschanbe untergebracht und war dort als Bauarbeiter auf Baustellen tätig. Sie hatten kaum Wäsche zum Wechseln und schon gar nicht eine Arbeitskleidung für die Baustellen. Die Kleidung die sie da täglich anhatten, war bald verschlissen und verbraucht. Zu Essen gab es dort pro Person täglich 400 Gramm Brot. Das wenige Geld was sie dort verdient hatten, reichte kaum für Maismehl und Reis aus.  Nach einiger Zeit wurde die Familie –mit noch anderen Deutschen- als Landarbeiter auf eine Baumwolle-Kolchose aufs Land verlegt, wo die Arbeits- und Lebensverhältnisse noch schlechter waren und sie dort Tag und Nacht arbeiten mussten. Hier waren sie alle in Lehmhütten untergebracht, hatten auf ein Schilflager geschlafen und auf zwei Ziegelsteinen gekocht. Zu Essen gab es hier noch weniger als in der Stadt. Als Verpflegung erhielten sie nach der Anzahl der Personen ungesiebtes Gerstenmehl oder Maismehl und mussten sich das Essen selber zubereiten. Da sie jeden Tag auf dem großflächigen Acker waren, war auch das kompliziert. Um ihre Verpflegung etwas aufzubessern, pflückten sie sich dort Löwenzahn, Brennnesseln und andere Kräuter, die sie sich auch noch zubereitet hatten. Ihr Trinkwasser holten sie sich aus einem Graben, der natürlich sehr unsauber war. Deshalb musste das Trinkwasser erst abgekocht werden, es sich setzen lassen, bis es getrunken werden konnte. Die Folge war: Durchfall und Ruhr. Doch die Baumwolle der Kolchose wurde ständig mit sauberem Wasser gegossen und bewässert.  Durch diese ungenügende Ernährung waren die deutschen Zwangsarbeiter mit der Zeit unterernährt und für alle möglichen Krankheiten anfällig, da sie nicht genug widerstandsfähig waren. Im Juni 1947 ist ihre Mutter und im Oktober 1947 ist ihr Vater an Hunger verstorben. Danach blieb Frau Hedwig als jugendliches Mädchen alleine zurück. Im Sommer war dort die Hitze so groß, dass sie sich alle die Füße verbrannt hatten und es etwa sechs Monate klein Regen gab, was überall zur Wasserknappheit führte. Im Winter nur ein Matsch in der Landschaft, ohne Frost. Die Leichen wurden dort in Schilf verpackt und in einem Grab mit jeweils drei Toten vergraben, weil die Erde durch die Hitze so hart und der Aushub so schwer war. An manchen Tagen hatten die Schakale die Leichen frei gebuddelt. Frau Hedwig war damals als 17-jähriges Mädchen auch so abgehungert, das man sie ins Krankenhaus bringen musste, wo sie drei Monate gepflegt wurde und sich wieder erholt hatte. Danach konnte sie in Baubetrieben auf zahlreichen Baustellen arbeiten und sich wieder bis 1959 ihr Essen selber verdienen. Im Jahre 1955 hatte man Frau Hedwig immer wieder die sowjetische Staatsbürgerschaft angeboten, was sie natürlich abgelehnt hatte. Danach hatte sie einen Ausweis für Staatenlose erhalten. Im Januar 1956 heiratete Frau Hedwig und bekam dann im November 1956 ihren Sohn Otto, dem sie gar nicht viel bieten konnte, weder eine Babykleidung noch an Babynahrung, weil dort nichts gab. Alles musste sie improvisieren und primitiv selber herstellen. In den Jahren 1958/59 begannen die deutschen Zwangsarbeiter Anträge auf Ausreise aus der Sowjetunion zu stellen, was danach auch nach und nach genehmigt wurde. Frau Hedwig stellte 1959 für ihre Familie ebenfalls einen Antrag in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen. Erst nach einigen staatlichen Versuchen sie umzustimmen und sie für die sowjetische Staatsbürgerschaft zu gewinnen, wurde dann dieser Antrag doch noch genehmigt. Am 23. November 1959 ist die Familie (Frau Hedwig, ihr Ehemann, der 3-jähriger Sohn Otto und ihre Schwiegermutter) dann endlich ausgereist und fuhren zunächst bis nach Moskau. In Moskau versuchte man sie für eine Einreise in die damalige DDR umzustimmen, was sie jedoch konsequent abgelehnt hatte. Erst nach fünf Tagen konnte sie aus Moskau über Berlin in die Bundesrepublik Deutschland, in das Sammellager Friedland fahren und bekam danach eine Sozialwohnung in Großknotzenburg/Hessen wo sie ihre neue Heimat fand. Die Lebensgeschichte der Frau Katharina     beinhaltet, die Zwangsverschleppung in die Sowjetunion und 10 Jahre Zwangsarbeit in Kasachstan Als ich im Jahre 1997 als Tourist auf meiner Besuchs- und Nachforschungsreise in der ukrainischen Nordbukowina war, lernte ich in Czernowitz eine alte Frau kennen, die für mich eine interessante Lebensgeschichte hatte die sie mir sehr ausführlich erzählte. Diese ihre Lebensgeschichte beinhaltet: - Ihre Umsiedlung im Oktober 1940 als damals 12-jähriges Mädchen in das damalige Deutsche Reich, - Die Ansiedlung ihrer Familie 1941 in Oberschlesien und danach die Flucht von dort im Januar 1945, - Ihre Rückkehr 1945 nach Czernowitz und danach ihre Zwangsverschleppung nach Kasachstan. Frau Katharine erzählte mir folgendes über ihr Schicksal: 1928 wurde sie als Deutsche in einer Mischehe in Czernowitz geboren. Ihr Vater war ei Ukrainer und ihre Mutter eine Deutsche. Im Herbst 1940 wurde sie mit ihren Eltern –wie auch alle anderen dortigen Deutschen, in das damalige Deutsche Reich umgesiedelt und danach in Oberschlesien –in einer Kleinstadt- angesiedelt. Ihr Vater war dort als Vermessungsingenieur tätig, ist bereits 1944 verstorben und danach blieb sie mit ihrer Mutter alleine zurück. Mitte Januar 1945 –als die Ostfront sich ihren Ansiedlungsgebiet nähere- flüchtete sie als 16-jähriges Mädchen mit ihrer Mutter –zu Fuß und mit ihrem Gepäck auf einem Handwagen in Richtung Westen. Unterwegs wurden sie aus Mitlied von sich zurückziehenden deutschen Militärfahrzeugen sowie auch von Flüchtlingen auf ihren Pferdewagen streckenweise mitgenommen. So erreichten sie unter diesen Unständen und schweren Bedingungen die Markt Brandenburg und ließen sich bei Berlin nieder. Hier erlebten sie dann –im Mai 1945- das Ende des Zweiten Weltkrieges. Als die dortige sowjetische Kommandantur erfuhr, dass unter den Flüchtlingen mehrere Familien aus der Nordbukowina stammten, wurden diese Familien aufgefordert wieder dorthin zu fahren. Danach wurden im Sommer 1945 etwa 300 buchenlanddeutsche Flüchtlinge –durch die sowjetische Kommandantur- zusammen genommen und in einem Güterwagen-Transportzug nach Czernowitz in die sowjetische Nordbukowina gebracht und dort sich selber überlassen. Da das Haus ihrer Eltern dort von einem Ukrainer bewohnt war, musste sie sich zur Miete eine andere Unterkunft suchen. Doch ihr Aufenthalt in Czernowitz war nur von kurzer Dauer. Im Herbst 1945 wurden alle Deutschen in Czernowitz interniert und in einem Transportzug nach Kasachstan zur Zwangsarbeit gebracht. Die war damals 17 Jahre und ihre Mutter 43 Jahre. Dort in Kasachstan wurden sie in Holzbaracken –mehrere Familien in einem Raum- untergebracht und als Landarbeiter auf einer Kolchose eingesetzt. Diese Unterbringung war sehr eng sowie primitiv und die Arbeit auf der Kolchose war recht anstrengend. Von dieser Kolchose bekamen sie einige Naturalien zugeteilt und auch etwas Geld und mussten sich damit selber versorgen. Ihre Mutter hatte dort einen deutschen Zwangsarbeiter kennen gelernt und danach auch geheiratet. Danach waren sie drei Arbeitskräfte auf dieser Kolchose, hatten dort sparsam gelebt und sich in einigen Jahren mühselig einiges an Geld zusammen gespart, so dass sie sich danach dort ein kleines Holzhäuschen kaufen konnten, um aus dieser Barackenunterkunft heraus zu kommen. Anfang der fünfziger Jahre ist ihr Stiefvater verstorben und so blieb sie wieder mit ihrer Mutter alleine. Erst nach zehn Jahren Zwangsarbeit durften sie 1955 dort das kleine Holzhäuschen verkaufen, Kasachstan verlassen und nach Czernowitz zurückkehren. In Czernowitz suchten sie sich eine Unterkunft sowie Arbeit und richteten sich dort häuslich ein. Im Jahre 1972 ist ihre Mutter verstorben und sie blieb danach alleine zurück. So hatte sie dort in Czernowitz bis zu ihrem Rentenalter als Arbeiterin in verschiedenen Betrieben gearbeitet und ihren Lebensunterhalt bestritten. So lebt die heute (1997) 67-jährige Rentnerin von einer sehr bescheidenen Altersrente von 60 Griwnia (= etwa 60 DM) mit einem älteren jüdischen Lebenspartner zusammen, der ebenfalls hier an diesem Gespräch –als gut deutsch sprechender Mann- sehr aufmerksam teilgenommen hatte. Das Schicksal eines 9-jährigen Mädchens Minna aus Augustendorf     (Auszugsweise und gekürzt, entnommen aus dem Buch: „Meine Reise in die alte Heimat“,  von Anton Haupt. In seinem Reisebericht von 2006 schrieb der Verfasser dieses Buches Anton Haupt aus Königs Wusterhausen bei Berlin, über seine Reise in die Bukowina und auch über das Schicksal seiner Cousine Minna aus Augustendorf/Banilla. Anton Haupt 1925 in Neuhütte geboren, wurde im Herbst 1940 als 15-jähriger Junge aus Banilla in das damalige Deutsche Reich umgesiedelt und wohnte 1972 in Königs Wusterhausen bei Berlin. Er war 1972 auf einer 4-wöchigen Privatreise mit dem Zug aus der damaligen DDR in die sowjetische Bukowina gefahren, zu Besuch zu einer Cousine nach Augustendorf/Banilla, was damals eine Ausnahme war. Diese Cousine Minna wurde 1936 in Augustendorf Kreis Storozynetz Bukowina/Rumänien geboren. Sie war die Tochter der Schwester seiner Mutter. Bei der Geburt der Cousine Minna ist ihre Mutter verstorben. Danach heiratete ihr Vater wieder und Minna erhielt dadurch eine Stiefmutter die Steffi hieß. Nach der sowjetischen Besetzung der Nordbukowina, siedelte die damals 4-jährige Minna mit ihren Eltern in das damalige Deutsche Reich um und die Familie wurde im Warthegau angesiedelt. Danach wurde ihr Vater zur Mehrmacht einberufen und ist gegen Kriegsende an der Ostfront gefallen. Danach blieb Minna bei ihrer Stiefmutter Steffi zurück. Als Mitte Januar 1945 die Ostfront sich ihrem Ansiedlungsgebiet näherte, flüchtete die damals 9-jährige Minna mit ihrer Stiefmutter in einem Treck in Richtung Westen. Auf dieser Flucht wurden sie von der Roten Armee eingeholt und gefangen genommen. Bei ihren erfolgreich auch geflüchteten Verwandten aus dem Warthegau, die in Mitteldeutschland ankamen und sie hier nicht finden konnten, galten sie als vermisst. Nach ihrer Gefangennahme durch die Rote Armee wurden alle diese eingeholten Flüchtlinge in ein Sammellager gebracht und danach zusammen mit deutschen Kriegsgefangenen in einem geschlossenen Güterwagen-Transport in Richtung Sowjetunion befördert. Aus unbekannten Gründen wurde dieser Gefangenentransport bereits bei Czernowitz in der Ukraine entladen und alle Kreisgefangenen sowie auch die internierten deutschen Flüchtlinge, dort zusammen in einem Gefangenenlager untergebracht. Als ihre Mutter Steffi es mitbekommen hatte, dass sie sich im Raum Czernowitz in der Nordbukowina –in ihrer ehemaligen alten Heimat, unweit von Augustendorf- befanden, da entschloss sie sich mit der 9-jährigen Minna aus diesem Lager zu fliehen, um dadurch der vermutlichen Deportation nach Sibirien zu entkommen. Sie wollte versuchen Augustendorf zu erreichen und dort Unterschlupf finden. In diesem großen Gefangenlager wurden die deutschen Flüchtlingen (die Frauen mit ihren Kindern und die alten Leute) nur locker bewacht und vermutlich gab es dort auch keine genaue Übersicht wie viele Insassen das Lager hatte. Eines Tages floh die Stiefmutter Steffi mit der 9-jährigen Minna, bei passender Gelegenheit in aller Stille und mit nur wenigen Sachen aus diesem Lager in Richtung Czernowitz. Als sie das Lager schon weit hinter sich gelassen hatten, suchte sie in einem abgelegenen Dorf bei einem ukrainischen Bauern Unterschlupf. Hier bei diesem ukrainischen Bauern gab sich die Stiefmutter als obdachlose und arbeitsuchende Frau aus und bat diesen um eine Übernachtungsmöglichkeit sowie um etwas Essen. Da dieser ukrainische Bauer Mitleid mit der Stiefmutter sowie ihrem 9-jährigen Mädchen hatte, nahm er sie für einige Tage in seinem Hause auf und gab ihnen auch zu Essen. Dadurch waren beide Flüchtlinge für einige Zeit hier untergetaucht und gut untergebracht. Als die Stiefmutter Steffi, durch die Unterhaltungen in diesem Bauernhaus, etwa mehr Zutrauen zu diesen Ukrainern bekam, wurde sie offener und erzählte ihr Schicksal sowie ihre Absicht nach Augustendorf zu wandern. Nach einigen Tagen dortigen Aufenthaltes versorgte sie dieser mitleidige ukrainische Bauer mit etwas Reiseverpflegung und brachte sie beide –die Stiefmutter und Minna- mit seinem Pferdewagen bis in die Nähe der dortigen Stadt Storozynetz, entließ sie dort und wünschte ihnen weiterhin guten Weg. Danach gingen beide deutsche Flüchtlinge in aller Ruhe die 24 km weiter, von Storozynetz über Dawideny bis nach Augustendorf und Banilla. In Banilla fanden sie Aufnahme bei einer deutschen Umsiedlerfamilie, die auch erst vor 4 Wochen, nach einer Flucht, hier eingetroffen war. Da das Wohnhaus dieser Umsiedlerfamilie jetzt 1945 -seit ihrer Umsiedlung 1940- noch nicht bewohnt war sondern immer noch leer stand, waren sie in ihr Wohnhaus eingezogen und hatten sich dort für immer niedergelassen. Dort in diesem Wohnhaus dieser deutschen Leute, blieb Mutter Steffi und ihre Minna für einige Zeit wohnhaft, bis sie in Banilla eine andere Unterkunft gefunden hatten. Minna hatte später dort in Banilla einen deutschen Burschen geheiratet und sie besaßen danach am Rande von Banilla ein Wohnhaus mit Stall und Garten. Minna war dort in Banilla als Kindergärtnerin tätig und ihr Ehemann Ernst war dort als Vorarbeiter und Sägeeinrichter im Sägewerk der dortigen Kolchose. Nach vielen Bemühungen und Schmiergeldzahlungen für die ukrainischen Angestellten der dortigen staatlichen Verwaltung, bekam Minna 1972 für ihren Cousin Anton Haupt in der ehemaligen DDR, eine Aufenthaltserlaubnis für 4 Wochen, die sie ihm per Post zugeschickt hatte. Ihr Cousin Anton Haupt fuhr mit dieser sowjetischen staatlichen Aufenthaltserlaubnis von Königs Wusterhausen in die damalige sowjetische Botschaft in der DDR, nach Berlin und erhielt hier sein Visum für die Einreise in die damalige Sowjetunion, So ging Anton Haupt mit dieser Genehmigung im Juli 1972 auf seine Privatreise in die damalige Sowjetunion und kam über Lwow (= Lemberg) und Czernowitz zu seiner Cousine Minna nach Banilla/ Augustendorf für 4 Wochen zu Besuch. Das Schicksal der Familie Adele Schuster     war 13 Jahre Zwangsarbeit in Sibirien und zwei Sterbefälle dieser Familie in der Fremde Frau Adele Schuster geborene Beck wurde 1919 in Althütte Kreis Storozynetz / Bukowina / Rumänien geboren und da ihre Mutter sowie meine Mutter Geschwister waren, ist sie meine Cousine. 1937 heiratete die 18-jährige Adele einen Burschen aus der Nachbargemeinde Krasna Ilski und zog auch dort hin. Im Herbst 1940 ist Adele mit ihrer neuen Familie (sie, der Ehemann Josef und die damals einjährige Tochter Elsa) in das damalige Deutsche Reich umgesiedelt, die danach in Buchen im Kreis Kempen / Warthegau als Bauern angesiedelt wurde. Der Ehemann Josef wurde danach zur Wehrmacht einberufen und ist 1943 an der Ostfront gefallen. Frau Adele blieb mit ihrer damals 4-jährigen Elsa sowie ihren Schwiegereltern auf ihrer Ansiedlung im Warthegau zurück. Als Mitte Januar 1945 die Ostfront sich ihrem Ansiedlungsgebiet Warthegau näherte, flüchtete Frau Adele mit ihrer 5-jährigen Tochter sowie ihrem Schwiegervater und der Schwiegermutter, auf ihrem Pferdewagen in Richtung Westen, um den Russen zu entkommen. Da ihr damaliger dortiger „Gauleiter“ die Flucht der deutschen Ansiedler aus ihren Ansiedlungsdörfern verzögerte, weil es angeblich dafür noch keinen Grund gab, kamen sie von dort zu spät weg. Dann auf dieser zu spät angetretenen Flucht wurden sie von der Sowjetarmee eingeholt und in ihr Ansiedlungsdorf nach Buchen Kreis Kempen zurück geschickt. Damit war ihre Flucht zu Ende Danach kam die Familie in Polen nach Grodno in ein Sammellager, wo sie dort bis Juni 1945 mit weiteren Flüchtlingen aus der Bukowina sowie aus Bessarabien zusammen waren, die ebenfalls auf ihrer Flucht von der Sowjetarmee eingeholt wurden. Dabei stellten die sowjetischen Offiziere fest, dass diese Flüchtlinge aus Gebieten stammten, die seit 1940 zur Sowjetunion gehörten und danach müsste sich hier um Sowjetbürger handeln. Aus dieser Feststellung heraus dachten diese Flüchtlinge, dass sie in die Bukowina zurück gebracht werden. Doch es kam anders. Im Juli 1945 wurden diese deutschen Flüchtlinge dieses Sammellagers in einem geschlossenen Güterwagentransport verladen, der mit ihnen in Richtung Osten abgefahren war. Auf diesem Transport gab es nur wenig Verpflegung, wie kleine Portionen Brot oder auch Zwieback und Wasser. Weiter nichts. Der Zug hatte viele und auch längere Aufenthalte auf den Bahnhöfen und kam deshalb nicht recht voran. Nach einer recht langen Fahrt von etwa zweieinhalb Monaten kam dieser Transport -nicht in der Bukowina- sondern Ende September 1945 in Sibirien an. Hier in dieser Gegend Nowosibirsk wurden diese Zwangsarbeiter nach ihren Berufen und Fähigkeiten sowie nach ihrer Arbeitskraft auf die Betriebe aufgeteilt. Da der Schwiegervater als Beruf „Bauer“ angab, wurde die Familie einem landwirtschaftlichen Staatsgut (einer Sowchose) zugeteilt. Es war Oktober 1945, der Winter stand vor der Tür und für die vielen hier her gebrachten Zwangsarbeiter gab es keine Wohnunterkünfte, auch nicht für diese Familie. Deshalb mussten sie sich selber Erdhütten bauen, um eine Wohnunterkunft zu bauen. Dazu wurde ein Erdloch ausgegraben, Holzbalken darüber gelegt und diese mit Schilf und Erde überdeckt, um durch diese Überdachung des Erdloches darin einen Regen- sowie Kälteschutz zu haben. Zu Essen gab es hier nur eine geringe Brotration und Wasser und damit waren sie Selbstversorger. Auch die Einheimischen hatten dort eine nur geringe Versorgung. Ihre Habseligkeiten hatten die Familie auf der Flucht verloren und waren jetzt hier mit nur einigen Sachen. Ihr erster Winter dort -1945/46 war sehr hart und kalt, bis zu – 50 Grad. Die kleine Elsa war damals sechs Jahre alt. Frau Adele und ihr Schwiegervater arbeitete als Landarbeiter auf dem Staatsgut (Sowchose) und wohnte in ihrer selber errichteten Erdhütte. Die Schwiegermutter betreute ihre keine Enkelin Elsa in der Erdhütte. Im April 1946 verstarb ihr Schwiegervater an den Folgen erfrorener Finger und seiner Unterernährung. Im September 1946 folgte ihm seine Frau und Schwiegertochter der Adele, die vor lauter Gram verstarb. Sie trauerte sehr um ihren verstorbenen Ehemann, ihren einzigen 1943 gefallenen Sohn Josef und auch um ihre Heimat = die Bukowina. Dazu wurde sie auch noch mit Zwangsverschleppung nach Sibirien und dieser komplizierten Lebensweise nicht fertig. Doch nachdem die Schwiegereltern 1946 verstorben waren, da blieb Frau Adele mit ihrer damals siebenjährigen Tochter Elsa zurück und musste danach alleine mit allen Aufgaben und Pflichten klar kommen. Auf diesem dortigen staatlichen Gut (der Sowchose) hatten Menschen verschiedener nationaler Volksgruppen gearbeitet, wie: Russen, Wolgadeutsche, Schwarzmeerdeutsche, Buchenlanddeutsche, Litauer, Letten, Polen, Rumänen, u. a. die alle arm waren und dort friedlich zusammen gearbeitet und gelebt hatten. Jeder hatte dort mit sich und seinen Lebensverhältnissen zu tun. Diese Gruppen bestanden aus Frauen mit Kindern und alten Leuten. Denn die Männer waren beim Militär oder in Kriegsgefangenschaft.  Im Jahre 1947 kam ihre Tochter Elsa –mit 8 Jahren- in die russische Volksschule, ohne die russische Sprache zu beherrschen. Nach vier Jahren wurde Elsa in eine andere Volksschule versetzt, die 7 km von ihrem Wohnort entfernt lag. Da Elsa jetzt nicht täglich zur Schule fahren konnte, kam sie am Schulort bei russischen Pflegeeltern unter und fuhr nur übers Wochenende zu ihrer Mutter Adele nachhause. Elsa lernte in der Schule fleißig, entwickelte sich erfolgreich und erreichte 1957 das Abitur. Danach war die Abiturientin Elsa bereits 18 Jahre. Die russischen Lehrer waren zu ihr –als deutsches Schulkind- loyal und förderten ihre guten Fähigkeiten. Im Jahre 1951 errichtete sich Frau Adele mit nachbarschaftlicher Hilfe und Unterstützung eine größere Holzhütte, in der Form eines Blockhauses, bestehend aus zwei Zimmer und Küche. Danach verließ sie die Erdhütte und zog mit ihrer 12-jährigen Tochter in diese Holzhütte ein. Geheizt wurde dort mit Holz und das Trinkwasser wurde aus dem Dorfbrunnen geholt. Die Beleuchtung bestand aus elektrischem Licht. Primitive Rundfunkempfänger waren dort auch schon vorhanden. Eine Bus- oder Zugverbindung gab es dort nicht. Wer zur entfernten Stadt wollte, der musste die lange Strecke zu Fuß gehen oder gelegentlich mit einem Lkw mitfahren. Frau Adele arbeitete immer noch als Landarbeiterin auf diesem staatlichen Gut, wo sie im Sommer sowie Winter verschiedene Arbeiten zu verrichten hatte. Dafür bekam sie ein Monatsgehalt, was ihr gerade zum Leben gereichte. Frau Adele hatte dort einen Garten von etwa 1500 Quadratmeter, den sie mit vielen wichtigen Produkten intensiv bewirtschaftete und auch damit ihren Lebensunterhalt –als Selbstversorger- abgesichert hatte Dabei hatte sie auch noch eine landwirtschaftliche Kleintierhaltung mit, die ebenfalls ihrer Selbstversorgung diente. So lebte Frau Adele Schuster mit ihrer Tochter Elsa dort im fernen Sibirien, ohne eine Verbindung zu ihren Verwandten und Bekannten nach Deutschland zu haben. Erst im Jahre 1956 konnte -nach 11 Jahren- eine briefliche Verbindung zu einigen ihrer Verwandten in der damaligen DDR hergestellt werden, was ihren Wunsch nach der Entlassung aus der Sowjetunion verstärkte. Nach erfolgter Antragstellung –durch diese Verwandten aus der damaligen DDR- zur Ausreise aus der Sowjetunion in die damalige DDR, bekam Frau Adele mit ihrer Tochter Elsa im Jahre 1958 die Ausreise aus der Sowjetunion zu ihre Verwandten in der DDR. So kam meine Cousine Adele mit 39 Jahren und ihre Tochter Elsa damals mit 19 Jahren, nach 13 Jahren Sibirien, im Mai 1958 wieder nach Deutschland zurück. Nach nur einem kurzen Aufenthalt von drei Monaten bei Verwandten in der damaligen DDR, ist meine Cousine Adele im August 1958 mit ihrer Tochter Elsa in die BRD übergesiedelt und haben sich im Land Baden – Württemberg niedergelassen, wo sie heute beide im Raum Karlsruhe noch wohnhaft sind. Meine Cousine Adele ist heute 97 Jahre, bei jedoch sehr verbrauchter geistiger und körperlicher Gesundheit und ihre Tochter Elsa erfreut sich -mit ihren 77 Jahren- noch relativ guter Gesundheit.
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